Aeron Bergman

The Tale of the Unhappy American

Tomlab

Manchmal, wenn es draußen ganz kalt und still geworden ist und man bei einer Schale Tee nur noch nach einem geliebten Menschen, einer Wolldecke und Kuscheltieren sucht und weit und breit niemand mit Harry Rowohlt-Stimme aufzutreiben ist, die/der einem ein beschauliches Wintermärchen vorlesen könnte, manchmal, braucht es dann jemanden wie Aeron Bergman. Sein Hörspiel erzählt die Geschichte des unglücklichen Amerikaners, der eines Morgens von einem Traum aufwacht, sich Kaffee macht und vor seinem Tor seltsame Geräusche hört. Sonderbar, ein rotes Schwebe-Rad steht da vor der Tür und auch die Landschaft sieht so komisch anders aus. Hmhh?!, »Something is going on«, denkt er sich. Das Rad grüßt ihn freundlich und »psssssssh!!!« trägt es den Erzähler einen Moment später in die Lüfte empor, durch einen Tunnel in den nächsten Tagtraum hinein. Hoch in den Bergen trifft er auf einen alten Mann, der auf einer Steinbank sitzend das tagtägliche Chaos beobachtet …. Zwischen den Textstellen läßt Bergman den Hörern in längeren Sound-Passagen Zeit, sich das Erzählte auszumalen und je nach vorangegangenem Inhalt klingen die Stücke dann rauher oder lieblicher, komplexer oder nah an der Stille, wie extrem surreale Tonspuren tschechischer Puppentrickfilme etwa von Jiri Trnka. Nur eben auf Electronica.
Wie schon bei »Notebook on Cities and Clothes« (vgl. skug#44) handelt es sich auch bei den »Tales« um einen Reisebericht über Sounds und Orte; allerdings geht es nicht mehr darum, über Feldaufnahmen Klangsituationen kartographisch zu erfassen, eher wirkt Bergman wie ein Regisseur, der sich nach der »Direct Cinema«-Phase nun der freien Fiktion zugewandt hat. Klänge sollen mehr über sich erzählen können, gesprochene Worte mehr als nur den Rahmen skizzieren. Der traurige Amerikaner scheint dabei das richtige Format gefunden zu haben: In der Kurzgeschichte wird der freie Fluß abstrakter Sounds komprimiert, gegenständlicher und damit zu schönstem Ohren-Kino.