Manyfingers

»The Spectacular Nowhere«

Ici, d'ailleurs

Natürlich hat der Mann mit Bart und Schlumpfmütze many fingers. Zehn, um genau zu sein, wie jeder andere Mensch auch. Das Pseudonym Manyfingers ist also ein wenig tautologisch – und so ist das auch mit seiner Musik. Der aus Bristol stammende Multiinstrumentalist Chris Cole, der sich hinter diesem Namen verbirgt, ist ein Freund poppig gedeuteter Minimalismen. Philipp Glass, Steve Reich und Moondog sind denn auch die Bezugspunkte, nicht zufällig die populärsten Namen des Genres. Das auf dem französischen Label Ici d’ailleurs erschienene »The Spectacular Nowhere« beginnt fetzig mit einer instrumentalen Hommage an Louis T. Hardin (aka Moondog), biegt aber danach eindeutig in Richtung Pop ab. Verantwortlich dafür ist die vokale Anwesenheit von David Callahan von den Indie-Rockern The Wolfhounds, der einigen Tracks seine leicht sonore, hübsch verhaltene Stimme verleiht. Nach diesem Sandwich-Prinzip geht es munter weiter. Wir hören minimalistische, aber erfreulich lässig arrangierte Popsongs, die mit einer schelmischen Portion Altherrenachselzucken präsentiert werden. Dazwischen ertönen hin und wieder Auftrittsmusiken für traurige Clowns, die vielleicht einen Tick zu sehr ins Melancholische driften. Dass Cole lange Jahre an diesem Album werkte, ist oft hörbar – im positiven wie im negativen Sinne. Was dieses spektakuläre Nirgendwo an sperriger Verschrobenheit hörenswert macht, verspielt es wieder für eine zu zaghafte Verkopftheit. Trotzdem ein feines Album, ein unscheinbares Mauerblümchen im Hinterhof des Indie-Pop.