Diana Krall

»The Girl In The Other Room«

Verve/Universal

Nur das Auflegen dieser Scheibe wirft bei mir Fragen in Bezug auf den Medienostrazismus auf: Warum eigentlich so viele Vorurteile gegen eine Künstlerin wie Diana Krall? Ist mir klar, weshalb ich an das Schlimmste denke bevor ich ihr erstes Album auch nur gehört habe? Was mich betrifft gibt es da nur eine direkte Antwort: Nein, und es ist ziemlich arg, solche Urteile vor sich her zu tragen. Nur weil diese junge Sängerin und Pianistin mit dem Flair von Britney, Marilyn und Anne-Sophie Mutter von weitem so wirkt, als ob die McCarthy-Ära wieder angebrochen wäre? Einige Jahre später und sicher um einiges nach Avril Lavigne, Pink oder Norah Jones komme ich nunmehr der Pflicht nach, mir dieses Album anzuhören. Der erste unausweichliche Eindruck ist, dass Diana Krall eine Pianistin ist, die sehr klar über ihren Zeitgenossen steht. Einnehmendes Spiel, ein schwerer und voller Ton, verstreute Akkorde, ein zugleich flüchtiger und scharfer Ton. Kurz, die Zeichen eines immensen musikalischen Talents. Vielleicht bleibt ihre Gesangeskunst ein bisschen darunter? Eine schöne, körnige Stimme zwischen hoch und tief, heiß und kalt und in keinem Moment lässt Diana Krall sich zu vokalen Vulgaritäten oder einem Jodeln herab, das (auf MTV?) für Soul gehalten wird. Im Grunde eine Jazzsängerin mit momentanen Launen, die über das Genre hinausgehen. Kurz, ein sensibles, intimes Album, das man sich ohne Zweifel noch einmal anhört.