Motorpsycho

»The Death Defying Unicorn«

Stickman Records

Egal ob man wie Grateful Dead lieber die Pyramiden von Gizeh bespielt oder sich wie Yes dazu entscheidet, ein Konzeptalbum über die die indischen Shastren zu machen: die Selbstgefälligkeit wurde im Laufe der Rockgeschichte in verschiedensten Spielvarianten ausgekostet. ?berhandgenommen hat diese Entwicklung in den 1970er Jahren, einem Jahrzehnt das die norwegische Band Motorpsycho beflissen musikalisch neu zu deuten versucht. Mit seinem aktuellen Album nimmt sich das Trio nun den besonders kapriziösen Facetten besagten Dezenniums an. Schon der Albumtitel »The Death Defying Unicorn« spricht Bände und könnte einer alten Yes-Platte entlehnt sein. Freilich schie&szligen erst die 13 Songs des Doppelalbums den Vogel ab. Zusammen mit dem Jazzkeyboarder Ståle Storløkken, einem ganzen Streicherensemble und Bläsersätzen haben Motorpsycho nämlich mal schnell ein »Stück Musikgeschichte« (O-Ton Pressetext!) geschaffen. Das geht natürlich nur, wenn auch ein Song mit 16 Minuten Spielzeit (»The Hollow Lands«) enthalten ist, kurz die Metal-Keule (»Into The Gyre«) ausgepackt wird und sogar ein paar Wörter in Latein (»Mutiny!«) ihren Weg aufs Album finden. An alle die jetzt einwenden, dass es bei Neo-Prog-Rockern wie IQ noch viel clownesker zugeht sei der Konter gerichtet, dass Motorpsycho solch eitler Fehltritte bisher eben nicht verdächtig waren und daher die Gefahr besteht, dass »The Death Defying Unicorn« nur die Aufwärmübung zu noch ärgerem Musik-Mumpitz darstellt. War klar, dass das Musikmagazin »Visions« dem Ganzen die Höchstwertung gibt.