Shackleton

»The Axiom EP« / »Man On A String EP«

The Agriculture

Zweimal Dub-Soundtracks: Raz Mesinai, der 2006 mit »Safe« (Asphodel) eine meiner drei Alltime-Favourites herausgebracht hatte, ist nach seiner letzten CD »Unit Of Resistance« (ROIR, 2007) und einem Beitrag für Skull Discos »Soundboy’s Gravestone Gets Desecrated By Vandals« (SK, 2008) mit einer EP zurück. Es ist nach »Original Masters 1993–95« – damals noch unter dem Pseudonym Sub Dub – die zweite VÛ für das Brooklyner Label The Agriculture. Die sieben »Axiom«-Tracks (inklusive Remixen von Andy Scott und Vaccine) umreißen skizzenartig den Badawi’schen Klangkosmos zwischen Dubstep als abstrakte Bassforschung, Dub als Clubsound mit Augenaufschlag Richtung Basic Channel und Soundtracks für imaginäre Filme (»Destroy All Prophets«). Besonders Letzteres dürfte ein Weg sein, für den Badawi inzwischen ebenfalls geschätzt wird, siehe seine Scores für Ridley Scott, Jonathan Demme und Darren Aronofsky. Wie auf »Unit Of Resistance« schon abzusehen war, hat sich Badawi sukzessive von (vermeintlich) arabischen Soundkomplexen verabschiedet und steuert gen internationale Clubstandards. Was ja per se nicht verkehrt ist. Allerdings hatte genau die Verbindung aus Klassikansätzen, Dub und arabisch inspirierten Klangästhetiken für mich den unverwechselbaren Charme von Badawi ausgemacht. Aber nach wie vor mutieren seine Tracks zu Monstren, in ihrer Metaphysik von einer Strahlkraft, wie sie höchstens von Shackleton kommen kann. Erkläre mir einer, warum diese beiden illuminierten Soundalchimisten es bisher nur auf einen Kollaborationstrack gebracht haben. Und wo WordSound auf dieser Tour de trance geblieben ist, verklärt sich ebenfalls im Rätsel. Vielleicht, weil Geheimwissen eben geheim ist? Besorgen Sie sich auf jeden Fall »The Axiom EP« und lassen Sie Hintern und Zirbeldrüse von diesen friendly ghosts zum Tanzen bringen.

Ein Zustand, den ex-Skull Discos Shackleton für mich exerziert – oder viel mehr exorziert – wie derzeit kein anderer. Der Typ kann machen, was er will, immer entstehen Tracks, die die Eshun’sche Futurythmachine mit Brennstoff versorgen. Drei Tracks, diesmal auf seinem eigenen, neu gegründeten Label Woe To The Septic Heart, die, wie beim Vorgänger »3EPs« (Perlon), mit entsprechender Pitch-Regulierung auf praktisch jeder Umdrehungsgeschwindigkeit spielbar sind. Shackleton ist ein Großmeister enigmatischer Verschlüsselungen, siehe allein schon den Titel seines Labels. Anknüpfend an soundforscherische Wahnsinnigkeiten wie »Asha In The Tabernacle« oder besonders »Mountains Of Ashes« von »3EPs« geht es bei »Man On A String« in die hypnotischen Territorien einer imaginären Kartografie zwischen Vorderem Orient und Club. Percussive electronic music at its best. Klar, eine Empfehlung mit »!!!«.