Yoko Ono

»Take Me To The Land Of Hell«

Import

»Don’t worry, don’t worry, don’t worry…«. Als wegweisend sollte sich Yoko Onos Song »Don’t Worry Kyoko« (1969) erweisen. Bereits darin lässt Ono ihren markerschütternden Primal-Scream los, von dem avancierter Pop mehrere Dekaden lang zehren sollte. Dennoch wäre Yoko Ono, die meist gehasste Künstlerin der Welt – auch noch in den neunziger Jahren von vielen Beatles-Fans – und nicht nur von ihnen, am liebsten auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden; auch reaktionäre Stadtzeitungsredaktionen schmetterten positive Ono-Artikel fadenscheinig ab. Dank des Einspruchs avancierter MusikerInnen, aufgrund zahlreicher Remix-Singles und der beiden im Jahr 2007 erschienenen Remix-Alben »Yes, I’m a Witch« und »Open Your Box« wandte sich schließlich auch die breite Pop-Rezeption – die Kunstrezeption verhielt sich ja nicht so reaktionär – gegenüber Yoko Ono hin zum Besseren. Zweifach bemerkenswert nun: zum einen legt Ono mit »Take Me To The Land Of Hell« eines ihrer stimmigsten Alben vor. Besser als so mancher Vorgänger, lässt es sich gut und gerne in einem Take durchhören. Darin ist es übrigens nicht unähnlich des (natürlich einfacher gestrickten sowie kommerzielleren) Lennon-Ono-Albums »Double Fantasy« (1980). Zum anderen überrascht, dass die achtzigjährige japanisch-amerikanische Aktivistin im sogenannten avancierten Popbereich auch heute, wo die Riege einstiger Independent-Heroes entweder bereits abgedankt hat oder als überholt gilt, noch reüssieren kann. Recht so. Produziert wurde das Album von Ono, Sean Lennon and Yuka Honda. Mike D (Beasty Boys) und Keigo Oyamada steuerten Remixes bei. Zu den zahlreichen namhaften MusikerInnen zählen Nels Cline, tUnEyArDs, Questlove, Andrew Watts, Cornelius, Ciba Matto, Lenny Kravitz u. a. – Am Dancefloor des Cosmic-Club erklingt der typische Ono-Schrei, unterlegt von Grooves, die in der Tradition der unvergesslichen Talking Heads stehen und in zeitgemäßem Gewande präsentiert werden. Ja, die weltberühmteste unbekannte Künstlerin ist auch heute noch top. »There’s no goodbye«.