Gary Lucas

Street Of Lost Brothers

Tzadik

Ein wunderschöner, poetischer Titel und ein ebenso fantastisches Cover zieren die vorliegende Wahnsinnstat. Diese vorletzte Gary-Lucas-Platte ist nicht mehr ganz brandneu, aber umso schöner, dass sich sogar zu uns eine Tzadik-Veröffentlichung verirrt hat. Amen. Lucas ist schon lange ein umtriebiger Mensch, Captain Beefhart and The Magic Band oder Gods And Monsters sind da nur die zwei bekanntesten Stationen, Lou Reed, Nick Cave, Patti Smith, John Zorn und DJ Spooky einige seiner vielen Partner. Wie es bei einem derartigen Titel fast sein muss, sind da eine gehörige Portion Country und Blues mit dabei, irgendwo zwischen rockigen Feedback-Gewittern, viel Delay und ebenso viel Klezmer. Nebst eigenen Nummer werden Velvet Underground, die Marx Brothers (»I Kill You For Nothing« – diese CD ist voller großartiger Titel!) und sogar Richard Wagner bemüht. Schaut strange aus auf den ersten Blick, auf einer Tzadik CD aus der Reihe »Radical Jewish Culture« den Ritt der Walküre zu haben, aber ist eigentlich ganz klar: »To defeat thine enemy, sing his song…« (Lucas) Recht so, vor allem, wenn man die Lieder so singt wie hier, ein wilder Solo-Ritt durch Feedbacks, Slide Gitarre meets Lärmattacken und immer viel Hall. Pomp, der Pomp ad absurdum führt. Ähnlich monumental das 11-minütige »Sh’Ma«, ein Dou mit Walter Horn an Synths, Piano und Sampler. Jimi Hendrix und Glenn Branca fungieren als Reiseleiter durch Israel. Zwischendurch darf es schon auch ruhiger und akustisch sein, Leo Kotke (in »The Opener Of The Way«) wie John Fahey (in »Let My People Go«, einem Derwisch-Tanz auf scheppernder Akustikgitarre, sic!) sind sicher als Referenzen zu sehen.
Essentiell wie fast alles der »Radical Jewish Culture« Serie und sehr sympathisch, weil oft rockig und nicht allzu platt mit Huldigungen Israels und jüdischer Kultur spielend (ähnlich wie »Yo! I Killed Your God« von Marc Ribot). »Masada« ist da schon ein ganz anderes Kapitel, so fantastisch die Band auch ist.