Wolfgang Mitterer

»Stop Playing«

Col Legno

Die Orgel hatte immer schon ungenütztes Potential. In den tiefen Registern hat sie das vielleicht wohligste Klangspektrum unter allen Tasteninstrumenten, schlägt der Kirchenpianist hingegen fette Akkorde in den hohen Registern an, unterzeichnet selbst die abgebrühteste Kirchenmaus den Delogierungsbescheid. Stets spannend also, wenn sich jemand der guten alten Orgel annimmt, und erst recht wenn er, wie Wolfgang Mitterer, die Orgel nicht nur als Instrument, sondern als Maschine betrachtet. Mitterer hat drei Kirchenorgeln mit einer Reihe unüblicher Spieltechniken ?malträtiert? (Spiel mit den Registerzügen, Motor ein- und ausschalten, Schlagen auf das Orgelgehäuse ??) und das Resultat auch durch den Laptop geschickt. Das Ergebnis sind gründlich entstaubte Orgelstücke, die zwischen überraschenden Soundeffekten, majestätisch schwebenden Passagen, eingestreuten Bachzitaten und dissonanten Clustern bzw. Melodien oszillieren. Hier findet sich ein modernes weil innovatives Musikverständnis in einem ebenso individuellen wie originellen Zugang vereinigt. Darf man durchaus grandios nennen und nicht nur jenen HörerInnen empfehlen, die ihre moderne e-musik am liebsten mit Blasbalg mögen.