Binär

»Stern«

Realtime Rec.

Nach vielen Jahren on the scene hat Tobias »Binär« Lintl nun sein Vinyl am Start. Der Organisator des Clubs Elektroland im Wiener Elektro Gönner, Improvisationskompagnon von Philipp Quehenberger und DDKern im Cheleste und Laton-Affiliate versammelt auf »Stern« Clubmusik im Wandel der Zeit mit sechs Tracks, die bis ins Jahr 1999 zurückreichen. Für »Stern« wurde eigens das Label Realtime Rec. ins Leben gerufen, gemastert wurde die Platte von Constantin Zeileissen und Falm. Auf den Coverfotos trifft man einige alte Bekannte wie eine TR-909, einen SQ-10 und Platten vom Label Tresor. Die strickte Weigerung, Trends nachzuhängen, hat etwas schwer Sympathisches, hier wird an einem ganz eigenen Sound-Universum gebastelt. Es ist eine Scheibe, die genauso heute wie vor sagen wir zehn Jahren erschienen sein könnte. Da ist natürlich von Vorteil, dass die Tracks mit Jahreszahlen ausgewiesen sind. Die Beatstrukturen sind vergleichsweise simpel gehalten, sie fungieren als eine Art Zeitraster, zwischen denen sich ausgefeilte Melodien und das typische Zirpen und Blubbern der Analogsynths breit machen. Es geht nicht um die neuesten Patches oder Technologien, sondern um ein Energiepotential, umgesetzt mit den Mitteln der Elektronik. Auf dieser Zeitreise namens »Stern« werden Reminiszenzen an damals wach, als man in Betonbunkern sa&szlig, die Bässe wummerten und man sich als Techno-Head ziemlich cool fand. Nummern wie »Outer Space« (als Space-Disco-Track) und »Bezin« (als Lärm à la BPitch Control) sorgen schlie&szliglich für die endgültige Erdung im Club, das sind Dancefloor-Kracher par excellence, egal ob Berghain oder Elektro Gönner. Das volle Improvisationsvermögen wird schlie&szliglich beim gut neun Minuten langen »Last Party« von 2011 ausgereizt, das durchaus an alte Underground-Resistance-Tracks denken lässt. »Stern« ist weit mehr als »Lernen’S Geschichte, junger Freund«; Es ist, um es ein wenig überschwänglich zu formulieren, eine Liebeserklärung an die Elektronik. Ein sehr persönliches Album mit jeder Menge Engagement, ein Statement gegen die Kurzlebigkeit und für mehr Diskussion. Respekt.