Sonar

»Static Motion«

Cuneiform Records

Ein bisschen spät ist es für diese Review, »Static Motion« wurde im Jänner veröffentlicht, aber der Schuldige wurde bereits verhaftet und in das berühmte M.C. Escher Gefängnis in Hilversum verfrachtet, wo die Häftlinge nicht in Zellen festgehalten werden, sondern durch endlos in sich selbst verschlungene Gänge schlurfen dürfen – in der irrigen Hoffnung, es gäbe irgendwo einen Ausweg. Tja, und so ähnlich fühlt sich auch die Musik der Schweizer Band Sonar an – und zwar ganz einfach deswegen, weil wir uns hier mitten im allerschönsten Gitarrenminimalismus befinden. Der Referenzautomat spuckt bei der Gelegenheit sofort Robert Fripp bzw. King Crimson aus, namentlich die 1980er Phase, zwischen »Discipline« und »Three of a perfect pair«. Das passt ganz gut, nur agieren Sonar zurückhaltender und fokussierter im Gestus, zugleich sphärischer im Sound und epischer bei den Tracklängen. Man könnte gleich noch eine Referenz nachschicken, etwa die leider wenig bekannten Finnen Pharao Overlord, die aber ebenfalls rockiger agieren. Die Band selbst fügt noch das frühe Mahavishnu Orchestra und »Tarkus« von Emerson, Lake & Palmer als Bezugsquelle an. Das ist aber zu viel des Guten. Im Vergleich zu Sonar muss man in beiden Fällen beinahe von Bruitismus sprechen, denn die vier überwiegend eher betagten Schweizer Herren kultivieren ihren Gitarrenminimalismus mit reichlich Gelassenheit. Nicht umsonst versteht sich die Platte auch als Statement gegen die Reizüberflutung unserer Tage. Minimalismus, heruntergefahren zum Wellnessprogramm, könnte man ätzen, aber das wäre ungerecht. Für Genrefreunde jedenfalls eine CD zum hemmungslosen Genießen.

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