Square 9

»Tsunami 2«

Unrock

Mythen in Tüten. Erstveröffentlicht 1992 auf Majora Records, das waren noch ganz andere Zeiten. Kein Internet zum Beispiel. Wenig Stress mit fake news, dafür – harmloser und unterhaltsamer – viel Raum für Spekulationen: Wer, neben den Sun City Girls, war an diesem Projekt beteiligt? Aber wer – so wird unter zu spät Geborenen und Uneingeweihten die Frage heute laut werden – sind überhaupt die Sun City Girls (gewesen)? Und mit dieser letzten Frage sind wir mittendrin im Thema. Welches Thema? Nächste Frage! Underground, Esoterik, Durcheinander, die späten 1980er- oder sehr frühen 1990er-Jahre – the years before punk broke! Eine untergegangene Welt. Machen wir uns nichts vor: Man muss entweder selbst eher sehr alt sein oder eine sehr ausgeprägte archäologisch interessierte Ader haben, um an diesen obskuren Aufnahmen Interesse zu finden. Denn die elektronischen Gruppen-Improvisationen, die auf »Tsunami 2« zu hören sind, stehen ohne wenigstens ein minimales Wissen um ihren Ursprung im Raum wie der Monolith in Kubricks »2001: Odyssee im Weltraum« – und auch vor diesem Meisterwerk kann man einschlafen. Was will ich damit sagen? Naja, was ich eben schon versucht habe zu sagen: spezielle Aufnahmen, sehr spezielle Veröffentlichung, die Interesse weckt, weil man entweder weiß, wer die Sun City Girls waren, und weil man dann froh ist, dass man der Original-Veröffentlichung auf Majora Records nun nicht mehr hinterherjagen muss – oder, und das ist vielleicht die Hoffnung, die sich jenseits eingeweihter Kreise mit dieser Wiederveröffentlichung verbindet, man hat grundsätzlich ein Interesse an exzentrischer psychedelischer Musik, an elektronischen Meditationen und krautigen Explorationen, an Musik, die spaced-out und abgefahren ist – und dann kann man diese Mythen in Tüten auch heute noch (und ohne Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum) quasi frisch genießen!