Scott Walker

»Soused«

4AD

So abwegig ist diese Zusammenarbeit nun auch wieder nicht. Eher erstaunt die Geschwindigkeit der Umsetzung: nachdem sich Scott Walker für seine letzten vier Soloalben im Schnitt zehn Jahre pro Tonträger Zeit genommen hatte, war »Soused« in nicht einmal zwei Jahren im Kasten. Während Walker bereits auf seinem letzten Album »Bish Bosh« brachialere Töne angeschlagen hatte, schienen sich die Drone-Spezialisten Sunn O))) durch ihre orchestral geprägte Kollaboration mit den Norwegern Ulver von der anderen Seite her anzunähern. Man trifft sich nicht ganz in der Mitte, denn auf dem vorliegenden Album dominiert dann doch die Versponnenheit von Scott Walker, der trotz seines abstrusen Oeuvres der letzen vier Jahrzehnte seinen Masterplan 2.0 gefunden zu haben scheint: Absurdes Sing- und Sprechtheater, untermalt von fragmentarisch bleibenden Tönen, Geräuschen, Trommeln, Furzen, Trompeten und so weiter. Das alles in völlig unberechenbarer Reihenfolge. Diesmal stehen seine Poeme umso mehr im Mittelpunkt, denn im Hintergrund passiert weniger als sonst; es knurren lediglich die Raubkatzen von Sunn O))) (»Maximum volume leads to maximum results« ist auf dem Cover vermerkt). Sie verharren meist auf einem Ton und sind einfach da – und wie! »Soused« ist nicht die große Ûberraschung und es ist auch nicht der große künstlerische Wurf (für beides lag die Latte wohl schon zu hoch). Aber es hat schon seinen Reiz, einigen der größten Visionären des zeitgenössischen Pop beim Sich-Aneinanderreiben zuzuhören.