Xeno & Oaklander

»Sets & Lights«

Wierd

Dunkel. Leere Bühne. Auftritt Xeno. Licht. Rechts eine Treppe. Auftritt Oaklander. Musik. Die Formgebung des klassischen Dramas ist nur eine unter zahllosen Möglichkeiten, »Sets & Lights« in Sprache zu übersetzen. Ebenso gut könnte man sich, dem Albumtitel waghalsig folgend, auf Strukturen und Systeme beziehen, auf räumliche wie symbolische Diskurse, jenseits oder hinter der Bühne. Denn wie schon das Interview mit Sean McBride und Liz Wendelbo in skug #82 gezeigt hat, steckt sehr viel Konzept in jedem ihrer Werke. Dem Zufall hingegen wird Platz in Form von analogen Instrumenten eingeräumt. Diese zeichnen mit ihrem über die Jahrzehnte der Klangsynthese gewachsenen, verschrobenen Eigenleben, gleich hakenschlagenden Flaneuren jene musikalischen Wege vor, die Xeno & Oaklander zu kartographieren versuchen: »Die Grenzen kontemporärer analoger Musik sind selbstkonstitutiv – sie sind durch die Geräte gesetzt, die eigenen zwei Hände und die Tatsache, dass die Geräte live gespielt werden, die Songs in einem Durchgang komponiert werden« (Liz Wendelbo). Als Topographen, die das elektronische Instrumentarium wieder in seiner produktiven organischen Dimension verstehen, sind McBride und Wendelbo Bühnentechniker und Poeten zugleich. Sie setzen die Szene, auf der das Spiel seinen Lauf nimmt. Unter tiefkalter Beleuchtung, die immer stärker Melancholie und Eskapismus der New Romantics rückprojiziert (weshalb es auch nur naturgegeben erscheint, dass X & O jetzt endlich von Gro&szligmeister John Foxx zum UK-Support gerufen wurden), erwachsen uns wieder Geschichten voller Klarheit und Aufbruchswillen. »Sets & Lights« führt die Minimal-Wave-Intendanz aus Brooklyn mit Inszenierungen wie dem Titeltrack, »Corrupt« oder dem Italo-infizierten Instrumental »Italy« weiter auf der nach oben offenen Bedeutungsskala kontemporärer Analog-Elektronik. Euklid ist besiegt und die Mauern sind offen.