Samba Touré

»Wande«

Glitterbeat Records/Hoanzl

Zum Vergleich: Mali umfasst flächenmäßig rund sechzigmal das deutsche Bundesland Hessen. Der Zufall ist daher unwahrscheinlich, dass Samba Touré direkter Nachfahre von Ali Farka Touré, dem wohl zumindest namentlich allseits bekannten malischen Gitarrenfürsten, ist. Nein, sie sind offiziell nicht verwandt, doch ist es offensichtlich, dass Samba in eben dessen Tradition des westafrikanischen Blues agiert. Auf seinem achten Album »Wande« (engl. »The Beloved«) hört man das auch. »Life is a rollercoaster, just gotta ride it« hat mal jemand gemeint. Dessen ist sich Samba auch bewusst und posiert für das Albumcover vor einem solchen Auf-und-ab-Fahrgeschäft. Aber natürlich hört man das auch in der Musik. Es beginnt gewohnt ruhig, die schönen, melodiösen Gitarren auf Dauerwiederholung, eindringliche Percussion zieht in den Bann. Doch dann geht es bergab, »Yefara«, zu Deutsch »Wir sind müde«, kommt mit einem funkigen Schlagzeug, einer aufmuckenden Rhythmusgitarre und einer zweiten Gitarre, die doch auch Lebensfreude signalisiert. »Wir sind müde« von einem Afrikaner ausgesprochen braucht keinen Abschluss in Raketenwissenschaft, um zu wissen, worum es hier geht. Das Album ist eine einzige (An-)Klage. »Goy Boyro« gipfelt in noisigen Gitarren, der Titeltrack »Wande« geht schon wieder einen Gang zurück, besinnlich, schön instrumentalisiert, klanglich sehr dicht. Die restlichen Songs bewegen sich auch auf diesem Gebiet von mal langsam und tragend hin zu schnelleren, in einer schönen Rhythmik vorgetragenen, ja tanzbaren Stücken (»Where to go?«). Den Abschluss bildet ein Tribut an Zoumana Tereta aus Bamako, der sich ebenfalls in den Gefilden von Alis Sohnemann Vieux Farka Touré, Toumani Diabaté und Bassekou Kouyate & Ngoni ba bewegt, also der crème de la crème der Musik Westafrikas. Dieses Album macht Lust auf mehr, die benannten Namen sind Anspieltipps, allen voran der noch unbekannte »Zou«. Fazit: Prima.