Puke Puddle © Christian Sundl, Grafik: Kathi Arnecke

Salon skug mit Puke Puddle, Clitzer, skug Talk & DJ-Line

Am 21. April 2022 rufen wir zum zweiten Salon skug im Viruswellental mit einer großartigen Soundwand wohlartikulierten, punkigen Unmuts. Zuvor reden wir mit Aktivist*innen über Pushbacks und die Grenzen des EU-Humanismus, in Kooperation mit unseren wunderbaren Kolleg*innen von »MALMOE«.

Salons-Machen im Jahre 2022 ist so eine wechselbadige Sache. Endlich ebbt dieses Elend wieder etwas ab, dessen Namen wir an dieser Stelle nicht einmal erwähnen werden, und über das wir am liebsten bis zum Herbst – genauso wie die umsichtige Bundesregierung – nicht nachdenken wollen. Gut möglich, wir stehen am anderen Ende des Sommers wieder bis zu den Knöcheln in der bekannten Kotzpfütze und haben hoffentlich die vierte Impfung im Arm. Was aber jetzt tun? Daheimbleiben und Schmusedecke übern Kopf? Die Lockdowns haben sicherlich ihre seelischen Spuren hinterlassen, weshalb so eine gewisse, allgemeine Gereiztheit mit Diskurs und Kunst bekämpft werden will. Nach all den Monaten im Zoom-Call wachsen einigen bereits die USB-Anschlüsse aus den Ohren. Keine Frage, es braucht wieder die »echte« Begegnung im Salon. Nur, als wäre nicht alles kompliziert genug, wütet seit fast zwei Monaten ein widerwärtiger Angriffskrieg nur wenige Stunden von Wien entfernt. Halt, nicht gleich die Schmusedecke hochziehen! Wir sind beim ersten Thema.

Grenzen der Menschlichkeit

Seit Wochen spitzt sich der Krieg in der Ukraine zu. Weitgehend hilflos muss die Weltöffentlichkeit dem Elend zusehen. Besonnenere Stimmen, die sich dem kriegerischen Getöse verweigern, möchten gerne auf einen Diskurs des Rechts pochen. Noam Chomsky sieht beispielsweise den Überfall Russlands auf die Ukraine als ähnlich gravierend wie den Überfall Deutschlands auf Polen oder den der USA auf den Irak. Falsche und durch nichts zu belegende Behauptungen mussten herhalten für ein Verbrechen, für das es schlicht keine Rechtfertigung gibt. Während allerdings am Ende des zweiten Weltkriegs zumindest einigen der Verantwortlichen der Prozess gemacht werden konnte, ist die gleiche Hoffnung bei dem Krieg gegen die Ukraine eher verwegen. Weder die großen Mächte Russland und USA, noch die Ukraine selbst haben eine Unterwerfungserklärung an den Internationalen Gerichtshof unterzeichnet. Welche Hoffnung soll es da auf überstaatliche Rechtsprechung geben, die nicht bloßes politisches Kampfmittel ist?

So schlecht steht es um die Durchsetzung des Rechts bei den Verursachern des Krieges. Mindestens ebenso schlimm ist die Lage für die Opfer des Krieges. Das Recht, das Geflüchteten zusteht, wird an vielen Orten bereitwillig gebrochen. In den reichen und entwickelten Ländern müssen Menschen mit Fluchterfahrung sehen, wie ihnen die Rechtssicherheit laufend entzogen wird. Asylgesetze werden nach Belieben zurechtgeschneidert, damit am Ende am besten niemand mehr Schutz genießt. Verheerend sieht es an den Außengrenzen der EU aus. Hier wird das Recht der Geflüchteten und Schutzsuchenden mit Füßen getreten. Sie werden zwischen den Diktaturen am europäischen Rand und den EU-Staaten wie Spielfiguren hin- und hergeschoben. Ein besonders perfides Instrument ist der Pushback. Hierbei werden Menschen von europäischen Polizeibehörden gegen ihren Willen und gegen geltendes Recht in andere Länder gebracht. In unserem Salon wollen wir mit Initiativen und Aktivist*innen reden, die dies nicht dulden und für die Rechte der Geflüchteten eintreten.

Von Push-Back Alarm Austria begrüßen wir deshalb Klaudia Wieser, von prozess.report Mahriah Zimmermann und last not least die Filmemacherin Katharina Simunic (»Europa, kannst du mich sehen?«). In fünf lesenswerten Beiträgen behandelt der Schwerpunkt »Pushbacks« der aktuellen »MALMOE« 99 das Thema, zum vorbereitenden Lesen unbedingt empfohlen. Die Thematik gerade jetzt zu diskutieren, scheint geboten, weil sich Europa und Österreich aktuell wieder von ihrer freundlichen und schönen Seite zeigen, wenn es um den Umgang mit Geflüchteten geht. Allerdings profitieren davon derweil nur die Ukrainer*innen, weil ihr Unglück gerade allgemein akzeptiert wird. Das ist natürlich gut so. Aber die bewiesene Solidarität sollte allen Menschen gelten, auch jenen, die nicht Teil der »europäischen Familie« sind. Wenn die Fehler des Jahres 2015 sich nicht wiederholen sollen, als die Anteilnahme von geschürten Ressentiments verdrängt wurde, dann muss sich nun etwas ändern: Geflohene brauchen Rechtssicherheit in Europa!

Feministische Punk-Revolution

Wer nach so viel sich aufdrängender Weltpolitik nach einem Schlückchen Hedonismus hechelt, bitte sehr, auch im Programm: Kristina Pia Hofer und Tina Bauer verspritzen als Puke Puddle beim Salon im rhiz den Grind in Fünf-Liter-Fässern. Die beiden mögen manch düstere Gestalten als Ana Threat oder Terz Nervosa erkennen. Eh-auch-irgendwie-alles-Könnerinnen zwischen Doktortitel und Underground-Idealismus also, die ins Schlagzeug prügeln, dem Sequencer die Seele rausreißen und im Geiste des Friedens so lange ins Mikro hauchen, bis böse Geister die Lautsprecherkabel drangsalieren. Übrigens: Vor ein paar Monaten haben die beiden mit »Binge« sieben Songs rausgeknüppelt – so räudig abgefuckt, als hätte man ihnen im Darkroom mit dem Leibhaftigen gedroht.

Clitzer klingen nach Spritzer. Davon gehen auch an einem Donnerstagabend zwischen zwei und zweiundzwanzig Vierterl. Die Trinkanleitung spendiert Frau Jahammer in einer offiziellen Ansprache vor allen, die nach dem »Umtrunk« noch stehen können. Achtung: Schnitzelsemmerl bleiben als Pausenproviant ausnahmsweise zu Hause, weil Clitzer sowieso glitzern, bis die Cobra kommt. Die Wiener Band macht das WIFI-Fortbildungsseminar in Google-Optimierung und lässt danach die Wut am Verstärker aus. »Clits mit Style«, heißt es auf Insta. Die feministische Revoluzzzzzion beginnt beim Salon skug am 21. April ab 20:00 Uhr im rhiz.