Saba Alizadeh

Scattered Memories

Karlrecords

Ominös und warm wie die Wüstensonne am frühen Abend erklingt die Musik des Iraners Saba Alizadeh. Auf der sogenannten Kamantsche, einem traditionellen iranischen Instrument, das aussieht wie eine Mischung aus Geige und Banjo und auch annähernd so klingt. Es fehlen ja neue Begriffe für das, was heute alles als Ambient bezeichnet wird. Wenig mit Weltraum hat das zu tun, was der Sohnemann von Hossein Alizadeh, Meister persisch-armenischer Tar- und Sitar-Volksmusik, da zelebriert und zaubert. Nichts mit Psilocybin. Nichts mit nativ-amerikanischem Ethnokult oder brutalem Noise aus der Blackmetal-Richtung. Alizadeh beschwört da eher Erinnerungen verschiedener Zeitschichten herauf, collagiert Bilder und Szenen, Begebenheiten neu an und erschafft einen sehr klaren Kopffilm. Das klassische Iranische übernimmt er nicht bloß in Texturen aus der überlieferten Musik, nein, er würzt damit nur die aufgenommenen Klänge, Eindrücke, Samples aus seiner Heimatstadt Teheran, die das Bild einer traditionsreichen Millionenmetropole abgeben. Westliche Produktion trifft hier auf östliche Musik. Der 1983 in Teheran geborene Alizadeh studierte nicht nur die klassische Kamantsche, sondern erlernte seine auf »Scattered Memories« zu bestaunende Profession der Elektroakustik am California Institute of the Arts. Sein Fokus auf experimenteller Musik rührt wohl auch daher, dass seine elektro-akustischen Arbeiten ihn über den gesamten Globus geführt und den modernen, absolut zeitgenössischen Sound beeinflusst haben. Für die äußerst lebendige, persische Elektronen-Musik (zu nennen sind da noch z. B. Siavash Amini, Porya Hatami oder Sote) ist der Multi-Künstler Alizadeh ein wichtiger Kopf und Beweger. Mit seinem ersten Album zeigt Saba Alizadeh das Gefühl für Tiefe und Ausdruckskraft, meisterhafte Beherrschung der Technik und Instrumente und enorme Musikalität. Und Karlrecords beweist mit dieser Veröffentlichung einmal mehr ein Gespür für wichtige und äußerst hörenswerte, aktuelle, zeitgenössische Musik.