Alien Ensemble

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Alien Transistor

Ganz schön viel Alien findet sich hier im Titel, aber das täuscht. Gelassenheit ist hier das Stichwort. Alien Transistor ist ein kleines, aber feines deutsches Label, dessen bekanntestes Fohlen im Stall The Notwist heißt, die deutschen Vorzeige-Indiepopper, die schon einige kunstvoll verspielte Alben gemacht haben. Bei Alien Transistor erscheint auch das Andromeda Mega Orchestra, ebenfalls eine großartige Sache, durchgeknallter Bigbandjazz mit avantgardistischen Einsprengseln, der aber stets unterhaltsam bleibt. Und Alien Ensemble nun, das ist fast eine Art Missing Link. Das siebenköpfige Ensemble rund um Micha Acher an der Trompete macht einen groovelastigen Souljazz, der sich nahtlos in die frühen 1970er beamt, irgendwo zwischen dem Art Ensemble of Chicago, Archie Shepp und dem Gil Evans Orchestra dieser Dekade, nur dass man die Sache weitaus entspannter, tanzbarer, verspielter angeht, etwa mit verschwenderischen Percussionspassagen, hübschen Bläsereinsätzen und verspielten Ûberleitungen an der Altflöte oder dem Vibraphon. Mehr eine Hommage also als ein geballter Innovationsbeweis, mehr eine Angelegenheit für Liebhaber als eine musikalische Studie, aber kein Wunder, geht es hier doch weder zeitgeschichtlich noch persönlich ums Ganze, denn Micha Acher kennt man eben von The Notwist. Das Alien Ensemble ist nur eines seiner vielen Nebenprojekte, gewidmet seiner ersten (und vermutlich wahren) Leidenschaft, dem Jazz. Und vielleicht ist es ja der entscheidende Bonus, dass Acher mit Notwist erfolgreich bis über beide Ohren ist, sich also hier nichts beweisen muss. Denn so lässig, so relaxed, so schmissig hört man das selten von deutschen Jazzmusikern. Absolute Bestnote.