Ame Zek

»Rostfrei«

Cargo/Keep it Business

Normalerweise lasse ich die Finger von allzu einschlägigen Machwerken elektronischer Musik. Besonders dort, wo der »Maschinenpark« zum Selbstzweck wird, wo die kalte Abstraktion so weit fortgeschritten ist, dass man seine lieben Zweifel hat, ob hier der Komponist noch in charge ist, oder ob es eben umkehrt ist, ob die Modulatoren, Filter, Sequenzer an der Macht sind. Mich nervt Musik, die unfreiwillig die Utopie eines Technofaschismus herbeitönt, die so klingt, als würden sie die herzlosen Technoväter bei Alejandro Jodorowsky zum Blechsalatfrühstück hören. Unlängst hat mir Thomas Gorbach, Leiter des »electroacoustic project« und Erbauer des einzigen österreichischen Akusmoniums, erzählt, das Problem in der Elektroakustik sei, dass sich zu viele Künstler auf die Spielereien am Laptop verlassen und zu wenig Zeit in die Erforschung neuer Sounds verwenden. Denn das Wesentliche an der Elektroakustik sei der Respekt vor dem Sound, nicht der Kniefall vor dem »Maschinenpark«. Das gilt gerade auch für den vorliegenden Fall. Ame Zek ist seit vielen Jahren ein umtriebiger Soundtüftler, Forscher und Kollaborateur. Obwohl er relativ häufig Tonträger publiziert, kommt das Ausloten von Soundmöglichkeiten bei ihm nicht zu kurz. Sein neues Album »Rostfrei« ist darum ein Art Grenzgänger. Auf der einen Seite »hochsynthetische Abstraktion«, ein pures, elektronisches Geflirre und Gewusel, via Modularsynthesizer und Midi-Prozessoren erzeugt, auf der anderen Seite eine durchaus organische Angelegenheit, großartig herausgearbeitete Soundeffekte, fein durchkomponierte Strukturen. Darum ist »Rostfrei«, obwohl von der Klanggestalt her schroffer, kalter Stahl, eine letztendlich doch einladende Sache, ein Brückenschlag sogar. Die imaginäre Rückkehr des Technopapstes ins Konzerthaus, wenn man so will. Darum: Wer auch nur die geringste Affinität zu dieser Art von Musik verspürt, der hört hier rein