P.W. Long

Remembered

Touch & Go

Nach längerer Abstinenz (garantiert nicht vom Alkohol) kommt die dritte Solo-LP des völlig ungeläuterten aber ergrauten Berserkers (remember Mule?). Der Bart ist grau geworden, die Musik dafür wieder frischer und heftiger als bei der heavy orgelunterstützten »Push Me Again«. Die Sehnsucht nach Katharsis wohnt den Musikergenen P.W. Longs inne, er kann einfach nicht weniger als alles geben. Da ich ihn als seltsam moralfreien Menschen betrachte, frage ich mich manchmal, ob er hier wirklich von existentiellen Nöten spricht oder einfach nur ein überaus talentierter Geschichtenerzähler ist. Seine Erfahrungen mit der Justiz hat er zumindest bekanntermaßen gemacht; auch diesmal spielt ein Song im »Court House«. Wie auch immer, am Vortrag gibt es nichts auszusetzen, und durch die Komprimierung auf 10 Songs mit variablen Arrangements (von beinahe Solo bis üppig) ist »Rememebered« die bisweilen kurzweiligste Scheibe dieses kriminell unterschätzten Songwriters geworden.