© Wolfgang »Fadi« Dorninger

Quarantänetalk #6 mit Wolfgang »Fadi« Dorninger

In der Reihe »Quarantänetalk mit …« schildern verschiedene Künstler*innen, wie der Shutdown ihr Alltagsleben verändert. Wolfgang »Fadi« Dorninger (Wipeout, Solo-Artist, Base Records) ist sich seiner Privilegien bewusst, vermisst das Musiker-Nachtleben und disst politische Message Control.

Wolfgang »Fadi« Dorninger, Urgestein der Linzer Subkulturszene, skug-Mitgründer u. v. m. tauft sein neues Album den Umständen entsprechend »Too Much Home«. Am 30. April 2020 wird es »aus seinem Versteck ans Licht getragen«. Dorninger erträgt die Situation mit Humor und kommentiert nebenbei auch das politische Corona-Schauspiel in Österreich.

skug: Auf einer Regenbogenskala von Rot bis Lila: Was ist gefühlsmäßig dein persönliches Corona-Farbspektrum?
Wolfgang »Fadi« Dorninger: Rot! Denkt ruhig an Charles Bronson!

Wie ist deine Quarantäne-Wohnsituation?
Eigentlich super, weil ich einen kleinen Garten rund ums Haus habe. Diese Spießerunit hat jetzt vehemente Vorteile. Werde sie ewig verteidigen. Optimal ist auch, dass ich Studio und Büro im Haus habe.

Wie oft gehst du raus? Wie schützt du dich und andere?
Mit dem Shutdown kamen die Pollen und somit bin ich wenig draußen. Nun ja, Einkaufen gehe ich einmal wöchentlich mit Maske und Handschuhen. Einkaufen hasse ich und alles, was mir guttut, ist momentan zu.

Wie ist dein Tagesablauf in der Krise? Hast du Rituale?
Nein, mein Leben hat sich vom Tagesablauf her kaum verändert. Aber nächtens ist alles weggebrochen, da blicke ich auf eine kulturelle Wüste. Ich hasse mich mittlerweile für jedes Konzert, das ich vor dem Shutdown sausen ließ. Mein Ritual: Selbstgeißelung!

(Wie) hältst du dich fit und bei Laune?
Die Allergie lässt in Sachen Fitness im Frühling eh nicht viel zu, aber so unfit wie heuer war ich schon lange nicht mehr. Im Studio habe ich viel Spaß mit meinen selbstgelöteten Instrumenten. Purer Noise befreit immer und steigert die gute Laune.

Wie intensiv verfolgst du öffentliche Debatten?
Als Medienjunkie war ich am Anfang recht angetan von der Debatte, weil selbst die Worthülsenproduzenten – wenn auch leise – ziemlich ehrlich argumentiert und informiert haben. Nach ein paar Tagen war die Message Control wieder da und damit die Fadesse! Die Zombie-Politik der Türkisen erheitert mich momentan sehr. Die Henker von Solidarität, Sozialpartnerschaft oder Staatshilfe haben die Konzepte der »Sozen« aus den Gräbern geholt und tragen sie nun wie eine Monstranz vor sich her. Und die »Sozen« beschäftigen sich mit sich selbst! Welch Schauspiel!

Welche Handcreme benutzt du?
Meine Frau sagt, ich sollte mich täglich mehrfach eincremen. Mein Motto: Kernseife muss reichen.

Welche Musik, Filme, Serien, Bücher, Videospiele etc. empfiehlst du?
Ich empfehle nie etwas. Die Playlists meiner Radioshow Fadimat105 könnten eventuell hilfreich sein, wenn man vom üblichen Angebot schwer gelangweilt ist.

Wähle aus und begründe (Mehrfachauswahl möglich):
– A: Dosenwerfen aus Passata-Dosen
– B: Höhle bauen und Hörspiele hören
– C: Bier-Yoga
– D:
D: Fallen lassen und nix tun!

Wie beeinflusst die Situation deine Musik?
Die Situation ist zum Kotzen. Meine Musik wird durch diesen Shutdown vehement ausgedörrt. Aus mir spielt ja nicht Gott, auch nicht das Genie, ich musiziere Leben, genauer gesagt: Nachtleben! Und momentan fehlt genau der Teil, der meine Musik triggert: Die drei großen R aka Reisen, Raven und Rausch! Die konzeptionellen Sachen, die unter Sound Art firmieren, laufen momentan sehr gut, weil der Tag nicht mehr aufhört. Mein duales Weltbild »Sound Art before midnight and Techno after midnight« ist momentan außer Kraft gesetzt! Seid gut zueinander!