Ground Zero

Plays Standards

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Ehrfurcht. Kniefall. Eine dieser Platten, die man nicht beschreibend in den Mund nehmen dürfte. Die epochale Avantgarde Big Band um die japanischen Impro-Totems Otomo Yoshihide, Kato Hideki und Sachiko M hat keinen Ton hinterlassen, der nicht essentiell für Freunde der Freiform wäre. 98 sagte man Sayonara zu dieser, ihrer großartigsten Werkstätten experimentellen Sounds und anarchischen Klangübermuts. Damit verschwinden aber die Platten zunehmend in die Fittiche verschwiegener Sammler und ReR tut gut daran ihr wahrscheinlich zugänglichste Werk von 1997 wieder vor zu kramen. Standard heißt allerdings nicht, daß sich ein Zehnerteam durch Gershwin, Gillespie oder Ellington bläst und röchelt, sondern daß den persönlichsten Meilensteinen ein kommentierendes Denkmal gesetzt wird. Und das braucht auch einen verdauungsfähigen Hörmagen. Da ertönt Steve Beresfords »Bath of Surprise« ganz Yamatsuka Eye-Style von Otomo solo aus der spruchgemäß übersetzten Badewanne inklusive Quietschentchen. Fred Friths »Bones« jammern und krachen in ebenso anschaulicher Umsetzung. Der umgangsfreundliche Gassenhauer »Those were the Days« darf für eine von sechs Minuten einen launig trunkenen Nummernauftritt zwischen zerjazzter Megamelancholie liefern. Sousas von Monty Python bekannter »Washington Post March« wird zersägt, als wäre das »Sogenannte linksradikale Blasorchester“ (deren »Goebbels« man ja auch mal sampelte) in aller anarchischer Albernheit wieder erstanden. Und dass Impro-Hektik auch dieses hochnotpeinliche Erhebungsgefühl von Oper erzeugen kann, das belegt der Glanzpunkt »Miagetegoran«, Hommage und Cover an Sakamoto Kyu, Izumi Taku und Shibuya Takeshi. Gott sehen für eine Handvoll Euro.