Lou Doillon

»Places«

Universal

Könnte dies nicht gut und gerne das Abbild unserer Euro-Göttin par excellence sein?! – Die europäische Kulturpolitik möge doch endlich einmal von greiser Politikerherrschaft und leidigem Totenkult à la »Nichts ist europäischer als die Oper« (Salzburger-Festspiele-Beilage in den Salzburger Nachrichten, Sa. 20. Juli 2013) absehen und ein ansehnlicheres Bild von Europa zeigen.Wenn sich hierfür die Estin Maria Minerva, ob ihrer sophisticated Grooves, massenmedial nicht so ganz eignet(e), Lou Doillon wäre gewiss eine vortreffliche Pop-Identifikationsfigur und Vorzeigepersönlichkeit: die Tochter von Jane Birkin und Jacques Doillon, zudem Halbschwester von Charlotte Gainsbourg und Kate Barry, ist auch Filmschauspielerin (»Un Enfant De Toi«, »Poliezei«, »Gigola«, etc). Ihr adult-oriented Pop-Rock nimmt sich auf ihrem, in Frankreich bereits im Vorjahr erschienenen und dort mit ansehnlichem Erfolg versehenen, Debütalbum »Places« die Sixties-Ästhetik (u. a. Bob Dylan und The Beatles) sowie, in gemäßigter Form, Patti Smith (in punkto Styling sowie beim Titelsong spielt sie mit deren »Horses«) zum Vorbild. In Lou Doillon könnte man sich glatt verlieben. Auf jeden Fall befinden sich hierauf eine Vielzahl von Liebesliedern, die man einst als Jungartist wohl nur allzu gerne für seine, ach-wie-süß, große Liebe geschrieben hätte. Diese Lyrics sind ja soo unheimlich romantisch: »You’ve found a way back in my dreams … I drag myself to the corner café And for a second I see you there Like in the good old days And I wonder what you’re doing? What are you up to these days? I sometimes wish you would call me But then I wouldn’t know what to say.« (»I.C.U«) Ja, könnte gut sein, dass es Lou dann die Sprache verschlagen würde, aber darüber zu singen vermag sie vortrefflich. Doillon ist hartnäckig und gibt keinesfalls auf. »I find myself walking back to all the places we knew, Dreaming and wishing to somehow run into you«. Ob sie ihn nochmals trifft? Aber soviel sei hier natürlich nicht verraten. Bloß, »And of course I wonder Does it happen to you? Does my ghost ever come looking for you?« Und Lou macht weiter und weiter und weiter. »I’m always real smart at fucking things up«. What the fuck!, »Places« hat gute Chancen mein »peinliches Lieblingsalbum des Jahres« zu werden.