Shackleton

»Pinch & Shackleton«

Honest Jon's

Zwei Dubstep-Schwergewichte im kollegialen Schlag- aka Beatabtausch. Es ist nach seinem Debüt »Underwater Dancehall« (2007) die zweite VÖ von Pinch und Shackletons erste reguläre Platte nach »3 EPs« (Perlon, 2009). Die Erwartungen standen also ziemlich hoch, besonders, seitdem bekannt geworden war, dass die Platte auf Honest Jon’s erscheinen sollte. Und nun endlich ist sie da.

Als erstes: Grobkörnige Schwarzweiß-Bilder eines leeren Gangs, doch dann, Kinder auf dem Tretroller. Nun gut. Die Titel versprechen mit »Cracks In The Pleasuredome«, »Rooms Within A Room« oder »Levitation« gewohnt mysteriös-mystische Klangwelten. Und labyrinthisch ist diese CD auf jeden Fall geworden. Während andere Dubstepper dem Bass in ultratief huldigen, geben sich Pinch und Shackleton noch nicht mal mehr mit so etwas wie Post-Dubstep zufrieden. Auch wenn meiner Meinung nach das Album akustische und diskursive Tiefen wie »Mountains Of Ashes« oder »Joseph In The Tabernacle« (auf »3 EPs«) auslässt, haben wir es hier nach wie vor mit Beatkonstrukten zu tun, die sich nach Vorderem Orient anhören, die Synth-Flächen münden weiterhin in metaphysischen Bewusstseinszuständen und Zeit- und Raumkoordinaten stehen bei diesen beiden eh schon immer auf der Abschussliste. Dub als ein die Zeit zerknüllendes Forschungssystem, und, wie bei gutem Dub, die Beats als Geisterschatten von Sound.

Schon der Opener »Cracks In The Pleasuredome« macht klar, dass nach Kenneth Angers »Inauguration Of The Pleasuredome« und »Welcome To The Pleasuredome« von Frankie Goes To Hollywood seitdem ein anderes Äon angebrochen ist. Es ist indes nicht das reine »Selfish Greedy Life«, das in der Mitte des Albums beschworen wird, sondern, und das ist auch eine der schönen Eigenschaften bei Shackleton, es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels. Ich muss zugeben, dass mich diese Platte weit weniger umhaut als »3 EPs« oder gar Skull Disco. Trotzdem, oder gerade deswegen: »Pinch & Shackleton« ist eine herausragende Scheibe mit unverkennbarer Handschrift. Es ist wohl am ehesten ein Ûbergang: Mit »3 EPs« war hinsichtlich Dubstep und all seinen Folgeerscheinungen wahrscheinlich alles gesagt. Von dort gab es kein Zurück mehr. »Pinch & Shackleton« hört sich leichter, beschwingter an. Und bietet mit Nummern wie »Burning Blood« sowohl ausreichend Anknüpfungsmaterial an alte Zeiten wie veritable Dancefloor-Tracks. Die Geister müssen nicht immer hörbar sein, um zu wirken. Eine der Platten der Saison.