Galina Ustvolskaya

»Piano Sonatas«

Col Legno

Spröde ist ein passendes Wort. Sperrig auch. Archaisch. Trotzig. Zurückgezogen, verschroben, verwittert, stachelig. Galina Ustvolskaya war die gro&szlige Einsiedlerin in der modernen russischen Musik, von der es nicht nur wenige Fotos gibt, auch Kommentare zur eigenen Musik waren ihre Sache nicht. Ist auch nicht einfach, muss man gestehen. Man könnte sich ein gro&szliges Kind dazu vorstellen, das mit roten Regenstiefeln trotzig über das Piano stolziert, schroff und einfallsreich zugleich, sich nahezu jedem Wohlklang verweigernd. Klaviermusik so einfallsreich wie jene von Eric Satie, zugleich aber ohne Humor und Eleganz. Der Untertitel der CD trifft es ganz gut: »?? als flössen Tränen aus einem harten, archaischen Fels.« Aber selbst die Tränen sind spröde und schroff. Dissonante Kristalle aus den Augen einer Verweigerin. Und das ist wohl auch der gro&szlige Reiz dieser Aufnahme, darum übt die 2002 verstorbene Komponistin immer noch eine Faszination aus. Man staunt reichlich unterkühlt, will hineinfinden in diese schroffe Musik, stö&szligt sich an den scharfen Tonclustern, dem schroffen »Geklimper« – und erahnt trotzdem eine vage Zärtlichkeit ?? Es handelt sich übrigens um eine doppelte Reminiszenz, denn diese »Piano Sonatas« aus den Jahren 1947 bis 1988 (wobei es kaum einen Bruch zwischen dem Früh- und Spätwerk zu geben scheint) wurden bereits 1998 von Markus Hinterhäuser bei den Salzburger Festspielen eingespielt und veröffentlicht. Aber da die CD lange Zeit vergriffen war, darf man Hinterhäusers mustergültige Interpretation nun erneut hören.