Moebius

»Permanent Transition«

Earsnake

Werner Moebius (die zweite Hälfte von Play The Tracks Of, der schon bei der Wiener Noise-/Industrialband N.W.O. mitgewirkt hatte) war lange in London und ist nun wieder back in town, seine neue CD kann man also als eine akustische Reminiszenz an die aktuellen Sounds von London sehen. Auf »Permanent Transition« spielen sich Moebius‘ Klangkunst-Affinitäten dezent im Hintergrund ab, stattdessen werden satte Dubstep-Bässe vom Stapel gerollt, wie sie mindestens von Labels wie Hyperdub bekannt sind. »Sad Beauty« kommt als enigmatische, melancholische und repetetive Nummer daher, zu der sich gesamplete Wortfetzen gesellen und die an Dubstep-»Klassiker« wie »Distant Light« oder »Wounder« von Burials Debüt gemahnt. Abstrahierte HipHop-Rhythmen werden genauso eingelöst wie durch Ambient gelesener Techno. Indes kommen mir diese Technonummern eher als eine handwerkliche Aufwärmfingerübung mit der Aufgabe vor, Beats zu basteln. Moebius‘ Raffinesse fängt dort an, wo sich in die kargen, minimalistischen Soundlandschaften sonische Qualitäten zwischen die Beats schieben und in den endlosen Echokammern zu wuchern beginnen. Wie offen derartige Dubsysteme sind, merkt man an »Sold Love«, das mit seinen Vokalfetzen an arabische Ritualgesänge denken lässt und sich im DJ-Set perfekt mit einem Shackleton-Track ergänzt. Sagen wir’s so: »Permanent Transition« ist international orientierte Clubmusik, die für die heimische Anlage genauso gut funktioniert wie für den Dancefloor und die derzeitige Clubströmungen vor dem Hintergrund eines ausgeprägten Wissens um Klangqualitäten und -charakteristiken auf den Punkt zusammenfasst. Mit seinen gut 40 Minuten Spielzeit ist diese CD zwar etwas kurz bemessen, legt aber genug Indizien dafür blo&szlig, dass es sich bei »Permanent Transition« um eine der schlüssigsten Dubstep-Platten heimischer Provenienz des Jahres 2010 handelt.

(Original erschienen in skug #83, Sommer 2010)