Animal Collective

»Painting With«

Domino

ac.jpgIn Zeiten, in denen Meetingräume nach alten Computerspielklassikern benannt werden (wobei ›alt‹ auch meint, dass die Generation Praktikum nichts damit anfangen kann: Wo sind wir um 14:00 Uhr? – In Donkey Kong -Was ist das?) und alles Kunst ist, was sich aus den in Wochenendhochglanzbeilagen diverser Qualitätsmedien gepriesenen Nerd-Gadgets und Gattengeldtäschchen selber basteln lässt, darf man sich über nichts mehr wundern. Man muss vielleicht ein bisschen staunen, rechnen (ehrlich: Pop Up Stores sind oft nicht Konzept, sondern Folge des Mietrückstands), und ansonsten mit vollem Optimismus durchs Leben gehen. Nein Springen. Springen ist fröhlicher. Jump and Run führte immer zum Ausgang, zur Prinzessin und zum nächsten Level. Den haben auch Animal Collective erreicht: Album Nummer elf in 15 Jahren Gameplay ist kein schlechter Teamscore, wenn man bedenkt, dass sowohl Player als auch Einflüsse fluktuierten. Dave Portner (Avey Tare), Noah Lennox (Panda Bear) und Brian Weitz (Geologist) sind kunstsinnige Kerlchen und wissen, dass auf der Wiese der weird electronica immer noch psychedelische Blümlein zu finden sind, und dass ein zwei Retrogewächse einfach sehr flott gerupft werden müssen. Denn was diesertags nach Super Mario und frühen Sega klingt, muss um ein Vielfaches schneller sein, als die 16tbit-Soundoriginale. Das ist gut für den Speedspielplatz, aber denkbar schlecht für Radio Airplay. Bei »FloriDada« (ja, hier ist wohl ein Querverweis) geht sich Arcade Ballern noch gut aus, das Mutterschiff darf bei »Hocus Pocus« verhältnismäßig ruhig feuern, spätestens bei »The Burglars« heißt es aber wieder Dribbeln und Hibbeln bis der Joy Stick schwitzt. Selbstredend ist hier nichts Sexuelles, nur viel Referentielles. Jede Menge bunte Tierchen, in süßen plüschigen Pixelwelten die von Dub und polyrhythmischen Beats aufgeworfen sind, und letztlich von pickigem Electropop versteinert.
Das Artwork (sic!) gibt es auf den physischen Tonträgern in drei verschiedenen Varianten, nach dem Zufallsprinzip bekommt die geneigte Hupftruppe jeweils Avey Tare, Panda Bear oder Geologist auf dem Cover.
Ob deswegen Sammlerstücke aus den Teilen werden, oder gar ein ordentliches Game dem Ganzen seine Entstehung verdankt, sei dahingestellt. Gewiss ist: Das Album hebt die Laune, weil es Spaß macht und schmeckt, und am Ende kommt die Prinzessin, sauber, aber doch.