The Osmonds

Osmondmania! The Osmond Family's Greatest Hits

Polydor

Frage: Wer hatte Ex-Bruce-Lee-Sparrings-Partner Chuck Norris als Bühnen-Choreograph »to add some new, masculine moves«? Wer musste sich immer das extra für Led Zeppelin gebaute Live-Soundsystem ausleihen, weil sie meist lauter als die Musik waren? Wer produzierte mit »Crazy Horses« (1972) »the most apocalyptic Book of Revelation imagery this side of Dylan/Osbourne« (Chuck Eddy in »Stairway To Hell«) und schuf damit auch die Blaupause zu Aerosmiths »Back In The Saddle«? Und wer bediente sich beim Hit »Hold Her Tight« schamlos bei Led Zeppelins »Immigrant Song«? Antwort: The Osmonds, jene singende Mormonen-Familie, die zu den 1970ern gehören wie der »Brady Bunch«, die »Patridge Family«, David Cassidy und – sozusagen als direkteste Konkurrenz – die Jackson 5. Entdeckt wurden die sieben singenden Geschwister (die beiden taub zur Welt gekommenen ältesten Brüder leiten den Fan-Club) 1962 straßenmusizierend in Disneyland. Schon 1963 folgten Auftritte in der »Andy Williams Show«, bei denen das Küken, Donny Osmond, gerade mal sechs Jahre alt war und natürlich zum absoluten Publikumsliebling wurde. Mit dem programmatischen »Sweet And Innocent« gelang ihm1971 sein erster Solo-Hit, dem mit extra auf Donny zugeschnittenen Paul-Anka-Covern wie »Puppy Love« und »Lonely Boy« (beide 1972) sowie Elvis‘ »Are You Lonesome Tonight« (1973) weitere Chartbuster folgten, die sich mit heutigen Ohren wie bessere »Starmania«-Cover anhören. Aber der, so Lester Bangs, »clean Funk« der Osmonds startete auch als Gruppe durch. 1971 wurde mit »One Bad Apple« der erster Nummer-Eins-Hit veröffentlicht und auch die Hauptzielgruppe (Motown-Fans) wurde mit Songs wie »Double Lovin’«, »Yo-Yo« oder dem White-Las-Vegas-Funk von »Down By The Lazy River« erfolgreich bedient. Wobei, angefangen beim Deine-Papierblumen-sind-genau-solche-Imitate-wie-deine-Liebe-Klassiker »Paper Roses« (1973), Marie Osmond mit ihrem Country-Crossover und jeder Menge gut ausgesuchter Songs wie »In My Little Corner Of The World« (1974) oder »Who’s Sorry Now« (1975) immer noch zum besten und gefährlichsten gehört, was eine 1970er-Jukebox beinhalten kann. Ganz abgesehen von ihren Duetten mit Donny (beiden hatten ja auch ihre gemeinsame TV-Show), die im Fall des abbaesken »I’m Leaving It All Up To You« Donny & Marie Osmond (1974) gerade haarscharf an Burt Bacharachs Carpenters-Komposition »(They Long To Be) Close To You« (dem In-Liebe-fallen-Lied von Marge & Homer Simpson) vorbeischrammt und bei »Deep Purple« (1975) so etwas wie das (von David Lynch natürlich nicht entdeckte) »Blue Velvet« der 1970er im Sinne von Kenneth Anger darstellt. Kostprobe gefällig: »When the deep purple falls/Over sleepy garden walls/And the stars begin to twinkle in the sky/in the mist of our memory/…/And as long as my heart will beat/sweet lovers will always meet/here in my deep purple dream«. Würde Freddy Krueger bestimmt auch gefallen haben. Oder um es mit Harvey Keitel in »Fingers« (1977) zu sagen: »Ich steige jetzt in das Reich deiner Träume hinab und du wirst sie mit mir durchleben.« Mit dieser Musik sind die Melvins aufgewachsen – also ran an den Speck und mindestens jeden Tag einmal komplett durchgehört!