Lan Rex © Johann Redl

O-Sounds mit Lan Rex

Auch die neue Staffel von O-Sounds veröffentlicht skug in Kooperation mit Radio Orange 94.0 und Res.Radio nachträglich in Wort, Bild und Ton. Diesmal ein Live-Set inkl. Interview mit Lan Rex aus der Sendung vom 17. Oktober 2021.

Melodischer Gesang, Techno und Darkwave verbinden sich bei Lan Rex zu avantgardistisch angehauchten Popsongs. Lan Rex als Soloprojekt von Lens Kühleitner zu beschreiben, würde dem eigenen Anspruch aber kaum gerecht werden: Vor allem live wird Lan Rex unterstützt von Lisa Grabner (Kometa). Und trotz Soloprojekt passiert hier jeder Prozess in intensivem Austausch mit Kollaborateur*innen und der eigenen Community. Bei O-Sounds präsentieren Lan Rex die auf Tender Matter erschienene und nach dem vorausgegangenen Projekt benannte Debüt-EP »Absatz1«. Im Video dazu beobachten wir, wie Lan Rex im Song »Soft« mit einem improvisierten Ende eine metallische Heilung herbeiführt. Die Titelbuchstaben designte übrigens Adrien Summerer und die gesamte Radiosendung könnt ihr am Ende des Artikels nachhören. Viel Spaß!

O-Sounds: In meiner Moderation habe ich schon den kollektiven Approach zum Musikmachen angesprochen. Meinem Eindruck nach ist es ein Soloprojekt, live tretet ihr aber oft gemeinsam auf und bei einigen Nummern ist Lisa auch in den Credits erwähnt. Deshalb einstiegs eine ganz simple Frage, vielleicht ein bisschen basic, aber ich hab’ noch nirgendwo mitbekommen, dass das geklärt wurde: Ist Lan Rex eine Band?

Lens: (lacht) Ja, das ist eine gute Frage! Ich würde sagen, Lan Rex weiß es nicht. Für mich war es wichtig, nach dem Soloprojekt Absatz1 einen neuen Act zu kreieren, weil ich begonnen habe, Aufnahmen zu machen und sie zu veröffentlichen. Mit Absatz1 hatte ich den Anspruch, nicht wiederholbar zu sein, und mit dieser Wiederholbarkeit sollte ein neuer Act geboren werden. Ich hab’ ziemlich lang nach einem Namen dafür gesucht und bin damit so semi-happy, aber es passt. Auf jeden Fall wollte ich einen Namen, der sowohl als Vor- als auch Nachname fungieren kann. Und der Name sollte genug Raum lassen, um mit Leuten zusammenzuarbeiten. Ich finde Lan Rex klingt nicht unbedingt nach einer einzelnen Person, sondern lässt sich mit mehreren Personen füllen. Es ist ein offener Raum.

Dieser kollaborative Zugang ist beim visuellen Aspekt vom kompletten Gegenteil geprägt: Bei dem Video zu »Relegate« bist du ganz allein in einem Swimmingpool und tanzt dabei eine ziemlich ausgereifte Choreographie. Wo ist das Projekt Lan Rex dann ein Projekt, wo es um Lens, also dich selbst, und um das geht, was du auf der Bühne verkörperst? Wo wird es vielleicht ein bisschen introspektiver?

Also bei »Relegate« ist es so, dass der Song hauptsächlich von mir allein gemacht wurde. Ansonsten entstehen meine Songs immer live und bei »Relegate« habe ich zum ersten Mal probiert, etwas zu produzieren. Bei allen anderen Songs auf der EP ist Lisa immer vertreten. Wir haben auch schon darüber gesprochen, dass Lisa auf jeden Fall mit dabei wäre, wenn wir noch ein Video produzieren würden. Bei »Relegate« bin deshalb ich im Bild, weil es viel um Mental Health und persönliche Struggles geht. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es passen würde, wenn noch eine Person dabei ist – das war sehr intim. Das Kollektive daran war, dass dieses Video mit mir sehr nahestehenden (queeren) Menschen entstanden ist.

Der Song hat eine für Pop ungewöhnliche Struktur. Mir kommt es fast vor wie drei verschiedene Songs. Was hat dich dazu gebracht? Ist es ein bewusster Versuch, mit Formen im Pop zu brechen?

Ich mache Pop, das passt gut. Auf jeden Fall wollte ich mit den Ideen zu Popsongs einen Bruch setzen. Ich muss aber auch sagen, dass ich teilweise sehr schnell gelangweilt bin. Oft kann ich nur kurz bei einer Sache bleiben und hab’ dann ganz viele neue Ideen. Diese Herangehensweise habe ich nicht nur bei mir so beobachtet, sondern ich kenne das auch von unterschiedlichen anderen Personen, wo es schon öfter kritisiert wurde. Und ich glaube, in dem Lied ist es auch ein Okay-Finden von Wechselhaftigkeit.

Ich möchte nochmal zurückgehen zur Gründung von Lan Rex: Als ich dich bei deinem Projekt Absatz1 kennenlernte, begann es an Orten wie Venster 99, SSTR6, AU … Lan Rex entstand zu einer Zeit, als es wieder Öffnungsschritte gab. All diese Underground-Spaces sind aber noch immer nicht geöffnet oder existieren nicht mehr in dieser Form. Ist das Projekt Lan Rex auch aus dieser Leere entstanden, weil gewisse Räume gefehlt haben und es dann ein anderes Bedürfnis gab, sich zu manifestieren und Formen des Sich-Kollektivierens sichtbar zu machen?

Es wäre schön, wenn ich dazu jetzt ja sagen könnte. Jetzt merke ich schon sehr, dass diese Räume fehlen. Vor allem das AU hat mich sozialisiert, was Musik betrifft. Ich hab’ dort meine ersten Abende allein tanzend verbracht und hab’ dort tolle Konzerte gesehen. Im AU hatte ich auch meinen ersten Auftritt als Absatz1. Dieser Ort fehlt mir sehr. Aber ich glaube, dass Lan Rex zu dieser Zeit gekommen ist, weil ich durch eine Förderung der SKE finanzielle Möglichkeiten dazu hatte. Und weil ich davor kein Interesse hatte, Aufnahmen zu veröffentlichen. Der wichtigste Beitrag zu dem Projekt sind auf jeden Fall alle Menschen rund um das Pink Noise Camp und alle Menschen, mit denen ich zum Musikmachen Austausch hatte. Das ist das größte und tollste, was in den letzten Jahren an Räumen passieren konnte.

Die ganze Sendung lässt sich bei Res. Radio nachhören:

Diese Sendung von O-Sounds wurde gefördert durch Stadt Wien Kultur (MA7) und die SKE der Austro Mechana. Die nächste Sendung mit Terz Nervosa wird am 21. November 2021 um 17:00 Uhr auf Radio Orange 94.0 ausgestrahlt. Das Archiv der Sendung befindet sich im Cultural Broadcasting Archive: https://cba.fro.at/series/o-sounds