Noel Akchote © Romain Vallee

Noël Akchoté: Mord, Schönheit und Schaffenswut

Eigentlich warten wir auf ja auf das Buch von skugs own Noël Akchoté, der auf diesen Seiten regelmäßig seine ebenso einzigartigen wie unbestechlichen Gedanken zur Musik und dem Weltgeschehen mitteilt. Das Buch, von dem hier auch schon Auszüge zu lesen waren, wird wohl an die Klarheit des literarischen Teils der Werks von John Fahey, eines anderen einzigartigen Gitarristen herankommen. Aber bis dahin dauert es noch und Akchotés Kraft konzentriert sich derzeit auf Arbeiten mit seinem angestammten Arbeitsgerät.

Sein bisheriger Katalog, der schon ausufernd genug ist, inkludiert Zusammenarbeiten mit Fred Frith, Red, Walter Malli oder David Grubbs. Ein Höhepunkt war sicher »So Lucky« (Winter & Winter/edel), worauf er mit Gitarre Kylie Minogue-Songs interpretierte und das mit einem Respekt und einer Zartheit, die die Gefahr der Parodie immer um Meilen umschiffte.
noelcd_1.jpgDer Wegfall von physischen Vertrieben und anderen Vermittlern ermöglicht es ihm, seine Arbeiten direkt auf den bekannten Downloadplattformen zur Verfügung zu stellen und das nützt Akchoté wie kaum ein anderer. Auf »Gesualdo: Madrigals For Five Guitars« (Blue Chopsticks/Drag City) durchbricht er wieder die Erwartungen, die an einen Künstler gestellt werden, der der Jazzwelt zugeordnet wird. Er widmet sich mit vier Kollegen (David Grubbs, Doug Wamble, Adam Levy und Julien Desprez) den Werken des Renaissancekomponisten Carlo Gesualdo, dessen Name aus zwei Gründen überlebt hat. Er erstach seine erste Frau und deren Liebhaber und auf der vierjährigen Flucht vor den Angehörigen der Opfer komponierte er diese Renaissancewunderwerke, die jetzt von Akchoté für Gitarren arrangiert ins 21. Jahrhundert geholt werden. Wie schon bei »So Lucky« und anderen Bearbeitungen nimmt er die Kompositionen ernst, verleiht ihnen aber ganz diskret seinen eigenen Stil. Das Ergebnis entreißt die Stücke den musealen Zwängen und ist so ein einziges Hörvergnügen. » Hörprobe
Wer sich mehr in die jüngere Geschichte fallen lassen will, für den gibt es die EP »Gabba Gabba Guitars« (A Whole World Of Guitars) auf der Akchoté fünf der beliebtesten Songs der Ramones auf der akustischen Gitarre seine Referenz erweist. Noël Akchoté Downloads sind ein Quell für noch mehr: Akchoté dockt an den No Wave-Funk eines James »Blood« Ulmer an oder ergeht sich in Exerzitien mit Gitarrensynthesizer. Und wer glaubt, dass all das den Drive der Vorlagen verringert, der hat sich grob getäuscht. Ins freie Improvisationsterritorium geht Akchoté mit Julien Desprez auf »Strand« . Zwei Gitarren erforschen den Raum und reagieren auf- und miteinander, Lärm trifft traktierte Sounds, Melodie trifft auf Zerstörung und nur der Hörer entscheidet wessen Gefühlen er folgen will.

Schlagwörter: , , , ,