Angela Maria Reisinger

»Nicht aus dem Sinn«

Jazzwerkstatt Records

Es wird Zeit die Frau des Rezensenten wieder einmal zu Wort kommen zu lassen. Im Grunde sind das ja arme Geschöpfe! Was die alles ausbügeln müssen, um die ewige Nörgelei und das Niedermachen alles Schönen, Guten, Wahren ihres kulturkritischen Gatten auszutarieren! Kein Wunder, dass die besseren Hälften von Rezensenten oft die Welt retten oder zehnmal erfolgreichere Autorinnen sind als der Gatte. Ha! Aber es läuft nicht immer so. Etwa bei dieser CD. Während der Rezensent mit dem spröden Charme dieser Chansonverdunkelungen im Geiste von Greta Keller durchaus etwas anfangen kann, meint die Frau: »Du drehst das jetzt ab, Liebling, ja? Das hält ja keiner aus, wie fad und gefühlskalt ist das denn?!« Autsch! Interpretation No. 1: Frauen sind stets strenger mit ihresgleichen, gerade in Geschmacksfragen. Interpretation No. 2: Angela Maria Reisingers großartig unterkühlte, großartig ausgebremste Liedinterpretationen leiden tatsächlich an einem Hauch Verweigerung zu viel. Es ist nicht einfach zu analysieren, woran es wirklich happert. Im Grunde wurde alles richtig gemacht, insbesondere bei den reduzierten Arrangements. Toller Job übrigens von den Begleitmusikern: Clemens Wenger (Klavier), Lukas König (Schlagzeug) und Bernd Satzinger (Bass). Trotzdem … man bleibt kalt vor diesen Songs. Angela Maria Reisinger spricht nebenbei von der reinen Interpretation, vom Durchlassen und dann wieder Loslassen. Womöglich liegt da das Problem. Mit ein bisschen mehr Herzschmerz und Hingabe hätte man diese entzückenden Songs (etwa »Wenn ich mir was wünschen dürfte«) schon ausstatten können. Oder wenigstens mit einem leichten Dreh in Richtung Coolness. Aber vielleicht ist das doch eher eine Geschmacksfrage. Reinhören und selbst entscheiden. Oder doch auf die Frau hören 😉