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Noise-Free-Jazz-Experimente at it’s best, so muss sich musikalischer Wahnsinn anhören! Lucas Abela, ein ziemlich durchgeknallter australischer Musiker, spezialisiert darauf, sich mikrofoniertes, kaputtes Glas ins Gesicht zu werfen und daraus Audiostücke zu machen, war im Zuge einer Zehnstädtetour durch China — noch dazu als Kulturbotschafter und gefördert vom australischen Arts Council (sic!) — an den Drummer Yang Yang und den Pianisten Li Zenghui geraten. Obwohl Li ja eigentlich Saxophonist ist. Aber angeblich fand sich in Peking kein Pianist, der mit Abela spielen wollte. Zusammen haben sie als Rice Corpse sechs Sessions aufgenommen, die von überdrehter, immer höchst präziser Spiellaune künden, Noiseflächen treffen auf Klavierpassagen, bei denen jedem aufrechten Pianisten sämtliche Haare zu Berg stehen. Abelas brothers in crime, Speerspitzen der Pekinger Improv-Szene, legen sich ordentlich ins Zeug, keine Sekunde Verschnaufpause, immer weiter, und das mit im wahrsten Sinn des Worts halsbrecherischem Tempo. Plötzlich bricht dann alles wieder zusammen und fein ziselierte, wie Regentropfen in die Landschaft gesetzte Klaviertöne schälen sich heraus, Melodien werden erkennbar. Gleich darauf wieder brutalstes Geklöppel, Krach im dunkelroten VU-Bereich, der dich in die Ecke klatscht. Das ist mindestens so witzige Kost wie harte. Dekonstruktion war selten so genüsslich!

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