Cheb Khaled / Matoub Lounès

Mon Amour / Sserhass Ayadu

Azwaw-Disky / Azwaw-EMI

11. September, Belgrad, amerikanische Botschaft. In der Nacht kommt ein Betrunkener vorbei und schreibt auf die Mauer: »Yeli Boli?« (»Tut’s weh?«) Eine gesunde Portion Humor, finden Sie nicht? Zumindest ein anderer Humor, als damals in TV und Presse vorherrschte. Wahrscheinlich hätten in den U.S.A. 96% der Bevölkerung behauptet, Österreich sei ein Vorort von Deutschland, das wiederum irgendwo mitten in Europa läge. Dabei hätten die wenigsten Europa auf der Karte gefunden… Rai ist nicht einfach »arabische« Musik. Die bekanntesten Künstler und Künstlerinnen werden von muslimischen Fundamentalisten (nicht – wie ständig zu lesen war – von den »Moslems«) bedroht, obwohl sie gemeinsame Wurzeln, identische Kultur und dieselbe Religion haben. Kairo ist nicht Rabbah (das heutige Amman), so wie Ramallah nicht Merz-El-Kebir oder Berlin nicht Hamburg ist. Wir werden niemals vergessen, was erst wenige wissen: Marseille kann so anders sein als Brüssell, obwohl es Bamako ziemlich nahekommt. »One nation under one God« ist auch nicht dasselbe wie ein Euro unter einer Union. Übrigens, historisch gesehen bezieht sich Geld immer auf Länder. Nicht so der Euro! Ich kann Ihnen diese beiden Aufnahmen nur wärmstens empfehlen. In der Zeit, in der wir (noch) leben, stimmen sie mit der Realität überein. Wirkliche Protestlieder aus diesem Teil der Welt, die Sex, Politik, Liebe, Glück und Freiheit(en) thematisieren. Das kann uns doch gar nicht so fremd sein! Khaled lebt und singt noch immer. Matoub Lounès wurde am 25. Juni 1998 unter ungeklärten Umständen in Algerien ermordet. Seine Stimme und die Erinnerung an ihn leben in unseren Herzen weiter.