Blonde Redhead

»Misery Is A Butterfly«

4AD/Rough Trade/Edel

»The Blue Sky, full of you. Pink Love. Pink Love. Just like a Fairytale. I want to kiss Pink Love. Some may say Illness, so called Love, the Sickness of Mind.« Wir wissen ja: Die köstlichsten Daseinselemente sind ungesund, verzehrend, lebensgefährlich. Bruchherzen bluten aus allen Poren, rinnen nach innen aus und versacken im ewigen Gefängnis der Sehnsucht. Kaum eine Band schafft es das fragile, tränendurchwachsene Greifen nach dem immer verlorenen Anderen zu bebildern wie diese NYer Europhilen. Schon Dauergast im Mediterranen, haben Kazu Makino, die Brüder Amadeo und Simone Pace den Sonic Youth- und No Wave-Gehalt weitgehend eingedämmt um den Sturm und Drang ihrer Zerrgitarren widerborstig in einem Aquarium aus Sixties-Pop und Nouvelle Vague-Chansonetten Amok laufen zu lassen. Dekadent. Schwülstig. Im besten Sinn überladen. Gainsbourg, Godard, Jane und B.B. im Nahkörpersparring mit Scott Walker, Kid Silver und Goldfrapp. Der pürierte Schweiß, der vom Gelage übrig bleibt, zum zärtelnden Indie-Rock hochgeformt. Welche Idioten auf die This-Mortal-Coil-Vergleiche kamen ist unerklärlich und rein auf den Labelwechsel von Touch + Go zur GothPop-Gemeinde 4AD zu erklären. Hier ist nichts schwarzkarg, ausgemergelt oder depressiv. Hier pumpen die Seelen Hektoliter an energetischen Säften. Frontalromantik ohne Kondom.