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Es gibt in etwa drei Formen des Jazzorchesters. Kleiner Scherz. Es gibt die klassischen BigBands, von Count Basie über Woody Hermann bis irgendwohin, die Jazzrock-Ensembles (der späte Gil Evans, Frank Zappa, das Jazz Composers Orchestra oder – mit Abstrichen – Carla Bley). Und es gibt deutungsoffenere Orchestersoundwelten. Die Klangfarbenvielfalt eines Duke Ellington wird gern als Pate genannt, doch ging es dabei oft um warme Klangfarben und satte Harmonien. Eine unterkühlte Variante war der frühe Gil Evans, eine eher fade findet sich bei Don Ellis, eine mitreißende beim Thad Jones-Mel Lewis Jazz Orchestra, ein japanischer Ableger bei Lew Tabackin und Toshiko Akiyoshi, gute europäische Beispiele wären Eberhard Weber sowie das United Jazz & Rock Ensemble. In genau dieser Tradition bewegt sich das vom Komponist, Arrangeur und Schlagzeuger Reinhold Schmölzer gegründete Orchester mit dem etwas sperrigen Namen, der sich aus orchestra & raconteur (= Geschichtenerzähler) zusammensetzt. Unüberhörbar auf Anhieb die, sagen wir mal, gefällige Instrumentierung. Mit Oboe, Flöte, Kontrabassklarinette oder Marimbaphon könnte dieses Ensemble auch Kammerkonzerte einspielen. Schmölzer geht die Sache very conducted an. Die Stücke sind alle sorgfältig arrangiert und durchkomponiert, sogar für die improvisierten Passagen gibt es einen »Bauplan«. Trotzdem ist das Soundresultat feinster, kraftvoller Jazz, der von seinem Klangfarbenreichtum und seinen vielfältigen Bezügen lebt. Diese CD ist wie ein groovender Jazz-Elefant im Porzellanladen, der dort aber keine Teller zertrampelt, sondern das Geschirr in den Regalen auf Hochglanz poliert, dabei artige Pirouetten tanzend. Nicht umsonst wurde »Signal« vom Branchenblatt »Downbeat« mit einem Student Music Award geehrt. Von uns gibt’s einen Filzorden für einen Hauch Gegenwartsbezug dazu: immerhin hat Schmölzer »Lotus Flower« von Radiohead neu arrangiert.

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Text
Curt Cuisine

Veröffentlichung
04.04.2013

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