Melt Downer

»Alter the Stunt«

Rock is Hell/Numavi

Möstlwave, auch Möstlcore genannt, ist die erstmals im Jahr 2018 auf skug.at in Erscheinung getretene Bezeichnung einer Musikrichtung, die ihren wesentlichen Einfluss aus der Feder des österreichischen Musikers Möstl-Wolfgang bezieht. Hauptvertreter sind die Indie-Bands Melt Downer, Mile Me Deaf und Killed by 9V Batteries. Die beiden Boys Möstl-Wolfgang und Zangl-Mario bildeten die Spitze der – wer es weiß, bitte folgenden Satzteil überspringen – in »Kreisen« als absolute Klassiker gefeierten Indie-Noise-Rock-Kombination Killed By 9V Batteries. Für Melt Downer haben sie sich den Giessauff-Florian am Schlagzeug dazu geholt. Der umtriebige Möstl-Wolfgang ist ja – Fans, bitte wieder überspringen – bekannt für einige seiner Projekte, in denen er Genregrenzen ignoriert, auflöst, Genres verquickt und am Ende etwas wirklich Eigenes dabei entstehen lässt. Manchmal etwas verkopft (9V Batteries), immer aber gekonnt eigenständig, ohne die Hörer*innen vor einem Potpourri aus unzusammenhängenden Versatzstücken stehenzulassen. Beispiel Mile Me Deaf: Das ist Indie-Rock-Pop wie aus dem Labor, kompliziert und anspruchsvoll, vielschichtig, aber äußerst ohrenkompatibel und bekömmlich. Nach gut einem Jahr VÖ-Pause hauen Melt Downer nach dem selbstbetitelten ersten Scheibchen nun wieder ein neues Ergebnis ihrer Arbeit auf die Theken dieser Welt. »Alter the Stunt«, aufgenommen hoffentlich unter STRESS im gleichnamigen Grazer Studio, vereint wieder ein Mosaik verschiedenster Stilrichtungen: Noise-Rock, Pop, Art-Pop, Shoegaze, Blablabla. Hört man die Musik dieses Projekts, merkt man, dass diese Bezeichnungen sekundär sind, weil auf benannte Gebiete nur mehr indirekt Bezug genommen und längst schon eine ganz neue Suppe nach eigenem Rezept gekocht wird. Als Opener dient »Alter«. Stoner-Pop mit Percussion gespickt. Die zweite Nummer, »Quest«, ist noch ein Stück doomiger als die erste. »Riddles«, verziert mit Saxophon-Exzessen sowie durchgängigem, treibendem, eingängigem Schlagzeug und ganz viel Verzerrung und stetiger Steigerung der Intensität. Pikant! Für klassischen Stoner zu viel Dynamik. Recht so! »Clown«, das längste Stück, ist definitiv wieder klassischer Möstlwave: Slackerartig hingehauene Texte und ein tragender, schlurfiger Sound. Huch! Ein spaciges Saxophon düst solierend durch die Gefilde. Frech! »Ice« (»It’s ice cold«): Stoner für die Piste! Der Closer »Dullmax« wieder poppig verspielt. Gutes Ergebnis, hoffnungsspendendes Signal im österreichischen Musiksumpf. Es darf weiter gehört werden: dasselbe Album nochmal, das erste obendrauf oder eins der vielen anderen Projekte um Möstl-Wolfgang zwischendrin. Das Ganze gibt’s in unterschiedlichsten, frischen Formaten, für jeden ist etwas dabei. Empfehlung!