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Betrachtet man die (nicht so kurze) Geschichte des Genres Reggaeton (und den Stil, der ja von Cubaton bis Bhangraton international wurde) und was darüber hierzulande (eher nicht) geschrieben, aber georakelt, prognosiziert, rezensiert und geurteilt und vor allem aber nicht gewusst und verstanden wurde und wird; wenn man zudem auflistet, was uns hier tatsächlich von dieser Musik erreichte (die Betonung liegt auf »was«, nämlich zu viele schlechte Songs und diese dann häufig obendrein schlecht kompiliert, schlecht ineinandergemischt oder entstellend gevoiced) – dann kann man nur zwei Schlüsse ziehen: Erstens dass unsere Musikkritiker sehr engstirnig sind, was nicht weiters stören würde, und zweitens, dass großteils v.a. Mist in unsere Stores gekarrt wurde. Ausnahme das Bounce in der Faulmanngasse in Wien 4, das uns mit gutem bis sehr gutem US-Vinyl zu diesem jungen Latin-Stil versorgte. Und nun diese opulente Compilation, die zwar sage und schreibe 80 Tracks liefert, aber null Infos (kein Booklet), was wegen der super Musik auf den vier CDs wiederum auch ziemlich wurscht ist. Ich möchte hier nicht darauf eingehen, wer hier aller leider gar nicht drauf ist (Tego Calderon z.B., aber der sieht sich ja auch gar nicht als Reggaeton-Act, wenn auch das kaum der Grund für sein Fehlen hier sein wird) oder wer warum zweimal vertreten ist oder warum US-Vertreter wie (der kubastämmige) Pitbull oder Lil‘ Jon gleich einleitend exponiert platziert sind (und die haben das Genre nun halt einmal nicht erfunden oder geprägt), sondern zuerst einmal feststellen: Es sind nur genre-typische Songs drauf und obendrein nur gute bis sehr gute. Zudem ist dieser Sampler breit gestreut: von besagten anglo-amerikanischen Mega-Sellern über die notorischen Galionsfiguren (ja, die Ahnherren fehlen, aber die hatten auch einen anderen Stil) und einige jamaikanische Überläufer wie Mr. Vegas oder T.O.K. sowie Kubaner (Candyman) bis zu frankophonen Cousins wie jenen, die CD 2 einleiten. Und obwohl also dieserart sämtliche verwandten und weniger verwandten karibischen und weniger karibischen musikalischen Kulturen angestreift werden, wie Dancehall, Soca, Salsa, HipHop etc., ist das immer eindeutig Reggaeton: gut gemachter, tanzbarer, positiv motivierender REGGAETON!

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Text
Hans Grausgruber

Veröffentlichung
09.06.2006

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