Minisex

»Maximum Minisex« (2CD)

Monkey Music

Regen am Neonasphalt. Herzschmerz im Eismeer.  Zu kühle Gefühle. Trenchcoats und Spione. Und das Casio-Display plärrt unentwegt Tamagotchi-Rhythmen. Positiv urban paranoide ?berdrehtheit im stolpergefälligen Wortgeflecht: Dies Prinzip des gelebten Wahnsinns charakterisiert das Grundstereotyp der Neuen Deutschen Welle wohl am besten. Koksbeseelt über die Autobahn wie durch ein Videospiel fetzen, quietschbunte Zisch-Frisch-Farben ballern durch das Hirn. Die Style-Panier klebt hauteng mit Lederkrawatte. Anders als der manierierte Nihilismus von USA, England, Frankreich, lebte Deutschland abseits der Stahlpoesie der Einstürzenden Neubauten und der Weltschwere der Fehlfarben die Welle als mal mehr, mal weniger politische Spa&szligparade aus. Üsterreich war da anders, fusionierte mit Punk oder alberte noch ein wenig mehr ins Dada. Wenige, die die Popschanze schafften, waren mehr: Falco. Blümchen Blau. Und natürlich Minisex, die als einzige dort Mitsing-Gassenhauer mit Abgrund leichtfü&szligig kombinieren konnten. Nicht umsonst waren sie mit dem hier auch vertretenen Song Valium am legendären Blutrausch-Sampler, entpuppte sich das Hitparadenfutter plakativ als Selbstmord-Freude und freudige Depression. In dieser wundergelungenen Retro-Schau, ähnlich hochwertig wie Extraplattes lange vergangene Hotel Morphilia Orchester-Heiligsprechung auf Doppel-CD, wird die Spasseken-Suppe der Wechselpartie um Rudi Nemeczek oft auch sehr dünn. In der 1980s-Kult-Quietschtorte von heute, schmeckt das jedoch ma&szliglos besser als aktuelle Gaga-ismen. Und jetzt bitte her mit Novaks Kapelle, Mordbuben AG und Herrn Urini. Alles klar, Herr Kommissar?