Santigold

»Master Of My Make-Believe«

Warner

Aus dem Konvolut der Mega-Pop-Models ragen viele mit geilen Videos, leider aber nur wenige mit attraktiven musikalischen Outputs heraus. Wen wundert es da, dass die kids vorrangig Musikmagazine/pics sammeln oder Videos sehen. Santigold ist eine löbliche Ausnahme. Sie belässt es nicht dabei, mit ihren Kolleginnen erst zu kollaborieren und sie danach zu dissen, sondern sie kollaboriert auch mit den richtigen Typen, wie z. B. mit Switch (nun auch Beyoncé), Diplo (Usher) und John Hill. Und sie wählt sich auch geeignete Studiopartner aus: Nick Zinner (Yeah Yeah Yeahs) und Dave Sitek (TV On The Radio).
Auch wenn »Master Of My Make-Believe« gesamt gesehen in der Poprezeption einen schweren Stand hat – den sogenannten Alternativen ist es oft zu kommerziell, den Vertretern der Schwerindustrie zu wenig Mainstream – am Ende wird sich ihr zweites als eines der ultimativen Major-Popalben des Jahres erweisen. Hier treffen sich (oft kinderliedartige) Post-Punk/Indie-Ästhetik (der Spätsiebziger/Frühachtziger, wie etwa Bow Wow Wow; der Sommerhit »Disparate Youth« ist übrigens beinahe eine Blaupause von XTCs »Making Plans For Nigel«, 1979), angesagteste Dancegrooves (mit Südafrika- und Haiti-Einschlag) sowie coole Electronica. Und das ergibt dann einen tollen 21st Century Major-Pop, mit zahlreiche Hits!
Freilich, dass Popmusik ein Vehikel für aufrührerische Ideen sein kann, daran können wohl nur noch der Welt entrückteste Optimisten glauben. »I went out on this tiny speedboat with Diplo, we were flying, no life jackets, it was so dangerous.«, erzählte Santi Pitchfork. Ja, ja, wer?s glaubt. Trotzdem eine schöne, gefährliche Geschichte. Bei den anstehenden Laufstegwettbewerben der Modekonzerne wird Santigold garantiert als kesse Guerillakämpferin durchgehen. Mit ihren hippen, radiotauglichen (Club-)Beats von »Master Of My Make-Believe«.