Makaya McCraven

»Beings E&F sides«

International Anthem/!K7

Der Chicagoer Schlagzeuger und Produzent Makaya McCraven kredenzt 2020 mit diesem Album einen Nachtrag zu seinem gefeierten Tonträger »Universal Beings« aus 2018. Die 14 brodelnden, instrumentalen Tracks dienen als Soundtrack für die gleichnamige Dokumentation, die einen fantastischen Einblick in seine Arbeitsweise und seine Community gibt. Die instrumentalen Tracks weisen ihn sogleich als Wissenschafter des Beat aus. Die Drums rattern, die Synths und Keyboards senden vitale melodiöse Vibes. Ab »The Hunt« muckt auch ein Saxophon auf und Track 5 trägt den berechtigten Titel »Beat Science«. Zunächst legt McCraven mit furiosem Getrommel los, ehe ein Kontrabass die Linie vorgibt und sich ein Keyboard breit macht, um im Vorwärtsdrang mit perlendem Xylophon-Gehüpfe Akzente zu setzen. Darauf schaltet sich endlich eine E-Gitarre ein, die den fröhlich saitensprudelnden Kontrapart zum Haken schlagenden Saxophon gibt. Ideensprühend sind auch die Benennungen der weiteren Tracks. Auf das wirsche »Dadada« folgt das behäbige »Isms« und darauf öffnet sich kurz ein quirlender »Traveling Space«. Außergewöhnlich auch der galoppierende Rhythmus auf »Kings and Queens«, dem afrikanische Instrumente Pep verleihen. Von wunderbarer Eleganz ist »Her Name« wo das Xylophon am besten zur Geltung kommt. Es ist schwierig, zu beschreiben, was genau den Sound McCravens so lässig und unbeschwert macht. Wohl sein Wille zur Form in der Produktion und nicht zuletzt die behände Musikalität der mitwirkenden Talente aus Chicago, New York, Los Angeles und London, darunter Shabaka Hutchings. »Organic Beat Science« nennt das die »New York Times« und irgendwie schimmert durch, dass der 1983 in Paris Geborene seine multi-ethnischen Wurzeln nicht nur seinem Vater Stephen McCraven (Jazz-Drummer) und seiner ungarischen Mutter Agnes Zsigmondi (Sängerin) verdankt. Im Alter von drei Jahren übersiedelte seine Familie in das Pioneer Valley im Westen von Massachusetts. Förderer dort waren u. a. befreundete Jazz-Kapazunder wie Yusef Lateef, Marion Brown oder Archie Shepp. Und selbstverständlich waren Soul und HipHop ein prägender Einfluss und McCravens Liebe für Musik, Kultur und Gemeinschaft ist ausschlaggebend für den erfrischenden Sound. Mittlerweile rotiert in der Promo-Jukebox wieder der Opener: »Everybody Cool« hat eine bemerkenswerte Xylophon-Hookline, der Klang scheint sowohl retro als auch futuristisch. »Die Vergangenheit inspiriert uns, damit wir in eine neue, offenere Zukunft schauen können«, sagt McCraven. Weshalb er der Prädestinierteste war, zum zehnten Jubiläum dem Gil-Scott-Heron-Vermächtnis-Album »Iʼm New Here« einen neuen Anstrich zu verleihen. »We’re New Again (A Reimagining By Makaya McCraven)«, erschienen auf XL Recordings im Jänner 2020, vereint zwei Generationen afroamerikanischer Musik und ist ebenso eines der Alben des Jahres. Und übrigens: Makaya McCravens »Beings E&F sides«, seit 31. Juli digital erhältlich, gibt es ab 25. September auch auf LP und CD.