The Horrors

»Luminous«

XL

Die Geschichte der Horrors besteht bekanntlich aus zwei Kapiteln. Das erste, 2007 eröffnet und auf den Namen »Strange House« hörend, erzählte von schnellem Psych-Punk und Freakbeat, der einem das Gefühl gab, auf der Toilette des CBGB eingesperrt zu sein und vollgekotzt zu werden. Mit dem zweiten Album, »Primary Colours« betitelt, begann für The Horrors 2009 schließlich ein neuer, ätherisch-majestätischer Abschnitt. Die Songs sind seither eher sechs statt zwei Minuten lang und werden von Sänger Faris Badwan nicht mehr herausgespuckt, sondern gleichsam schwebend in die Atmosphäre gehaucht. Die Gitarren beamen sich gen Outerspace und der Bass pulsiert psychedelisch. Mittlerweile dürften sogar die letzten Verwirrten eingesehen haben, dass es in puncto The Horrors krassen Weirdo-Punk wohl nicht mehr spielen wird. Aber das CBGB ist ja auch gone for good. Wie dem auch sei, mit »Luminous« loten The Horrors die Soundmitte zwischen Psychedelic Rock, Madchester-Nostalgie, den Simple Minds und U2 nun schon zum dritten Mal aus, klingen dabei jedoch zusehends antiquiert. Während das Quintett mit dem oben erwähnten »Primary Colours« noch eine Band auf der Suche nach ihrem Sound war, was für manch erhellendes Spannungsverhältnis sorgte, so ruhen sich The Horrors mit »Luminous« zu sehr auf den Lorbeeren vergangener Tage aus. Klar, die fette Produktion kann sich sehen lassen, und insgesamt ist die Platte recht homogen, doch viel zu oft wirken die Songs in ihrer bleichen Theatralik künstlich aufgeblasen (»So Now You Know«, »I See You«), was auch auf die klischeehaften Texte zutrifft. Dass The Horrors immer noch mächtig nach einer Gothic-Variante der Simple Minds klingen, ist dabei gar nicht das Problem, die waren schließlich eh nicht so schlecht. Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass man beim Hören von »Luminous« das Gefühl nicht los wird, die Band habe sich schon vor den Aufnahmen auf die majestätische Gussform geeinigt und diese dann recht lieblos mit Musik angefüllt. Atmosphäre und Stimmungsbildung müssen da leider draußen bleiben. Statt der Kunst des Songwriting beherrschen The Horrors – mit nur ganz wenigen Ausnahmen (»In And Out Of Sight«) – offensichtlich eher das Handwerk der musikalischen Taxidermie.