Lukas Lauermann

»I N«

Col legno

Es gibt diese Alben, die schnell deutlich machen: Hier will jemand etwas von uns Hörer*innen. Sei es durch ihren kompromisslosen Eigensinn im Sound oder gar durch gezielt gesetzte Provokationen. Lukas Lauermanns »I N« ist keines davon. Die Musik des umtriebigen Wieners setzt sich nicht in Szene, gibt manchmal nur kurz einen Faden vor und lässt ihn bald darauf wieder los. Lauermann mag die Lücke. Sein zweites Werk wirkt wie eine Antwort auf die Frage, wie mit minimalen Mitteln der größtmögliche Raum zu füllen sei. Im Vordergrund stehen die Abzweigungen und Biegungen, die während der knapp 62-minütigen Gesamtspielzeit unternommen werden. Die zumeist fragmentarisch gehaltenen Stücke geben lediglich Impulse vor. Zwar ist das Cello immer noch Lauermanns bevorzugtes Go-to-Instrument, verglichen mit dem 2017 erschienenen Vorgänger »How I Remember Now I Remember How« spielt es aber nicht mehr die alleinig dominante Rolle. Klavier, Synthesizer und auch Stimmgabeln schieben den Sound deutlicher Richtung Ambient-Elektronik. Bisweilen fühlt man sich auch an bekannte Neo-Klassik-Vertreter wie Nils Frahm oder Ólafur Arnalds erinnert. »I N« ist wahrscheinlich nicht das Album, das einem den Kopf in beide Richtungen verdreht. Vielleicht ist »I N« aber das Album, zu dem man nach turbulent verbrachten Tagen zurückkehrt, um rekapitulierend auszuatmen und den Sturm sein zu lassen.