Gummo

»Lokal Men Ruin Everything«

Bodensatz

Dem dritten (?) Album der Münchner Ausnahmeband Gummo um Christian Nothaft (Bass, Gitarre, Vocals, Geige) und Harry Streng (Drums, Vocals) gelingt im Verbund mit jeder Menge Gast-VokalistInnen nicht weniger als der Beweis, dass extreme Rockspielarten weder in reinen Drones, noch in verschnörkeltem Avantgedöhns oder in Hardcore-Punk mit einstudierten Jazz-Ambitionen Zuflucht suchen müssen, um, wie man so schön sagt, aus der Masse herauszustechen. Zwar wird auch hier mitunter sehr ausgeklügelt an die Sache gegangen, aber hier fungieren Breaks und Takt-/Stilwechsel nicht als Selbstzweck. Hier muss sich niemand immer wieder sein technisches Können beweisen, sondern geht es schlicht und einfach um griffiges Songmaterial. Und um Reduktion (die Stücke sind relativ kurz, auch wenn hin und wieder lange Jams als quasi Geburtskanal noch durchschimmern). Gummos brachialer Shlock-Rock klingt, auch wenn es komplexer wird, nicht die Spur bemüht. Dass hier nichts ausgedacht ist, kann jedoch auch nicht gesagt werden. Gummo sind keine von diesen Freakbands, die ständig zwischen den sie sowieso stets verwechselnden Red Hot Chili Peppers, Butthole Surfers und Primus das Frank Zappa-Kasperl-Kostüm mit der Slayer-Maske überziehen und dann ihren Rockmischmasch als Ausdruckstanz intonieren. Stellen wir uns einfach Chrome als ganz ganz böse, aber ohne Drogen, dafür mit den selben Effektkasteln und gelegentlichen Jello Biafra-Gastbeiträgen vor. Oder die experimentellen, ausgefransten Ränder von Amphetamine Reptile, SST, Alternative Tentacles, ohne hippieske Missverständnisse. Was im Fall von Gummo jedoch ebenso aussagekräftig ist wie bei den Melvins der Hinweis, es würde sich hierbei um (abstrakten) Anti- und Meta-Rock handeln. Zwar ist diese Verwandtschaft durchaus gegeben, aber das findet sich alles weniger in der Musik als in den Herangehensweisen. Und die sind durchaus als ernsthaft zu nennen, machen jedoch eben soviel Spa&szlig (was allein Tracktitel wie »Lullaby For Nazikids« oder »Herny Rollins As A Girl« nahelegen). Dabei leiten auch Gummo ihre Punk/Hardcore-Versatzstücke aus verschimmelten Glamrock-Versatzstücken ab und haben auch keine Scheu davor, bei »Discontent In The Discontent« in die Disco zu gehen. Nicht zur Verarsche, sondern weil Blur dort noch einige Fragen über ihr Verhältnis zu Gang of Four immer noch unbeantwortet herumliegen haben lassen. Headbangen als Gehirntraining!