Emir Kusturica & The No Smoking Orchestra

»Live Is A Miracle In Buenos Aires«

Warner

»Im Osten nichts Neues« – weder auf Leinwand noch als Live-Performance! Harsch und mehrstimmig fiel vor rund einem Jahr die Meinung der Kritikergilde aus. Sowohl Emir Kusturicas zuletzt gedrehter Liebesstreifen »Life Is A Miracle« segelte durch, als auch die beiden ausverkauften Zürcher Konzerte in der Roten Fabrik. Den überdrehten Bühnenklamauk hätte man noch irgendwie durchgehen lassen können. Schließlich hat sich die livehaftig ziemlich abdampfende Nichtraucher-Band um den wirbligen Sänger Nelle Karajlic, den Ruf einer durchgeknallten Stimmungstruppe erworben. Seit Jahren wildert sie tollwütig im Fundus der traditionellen Balkanblasmusik, streckt unbarmherzig Rock- und Jazzriffs dahin, und »Unza-Unza« wird als neuer Gattungsbegriff bestimmt bald im Popularmusik-Latein einen ehrenvollen Platz finden. Das No Smoking Orchestra hat dazu einen glanzvollen Beitrag geleistet, da gibt’s nichts zu husten. Dass sich diese drehbuchartigen Konzertdarbietungen nun in immer gleichen Szenenabfolgen wiederholen, stimmt zunehmend langweilig und lässt ein großes Gähnen gen Osten schicken. Vielleicht trostvoll: Nicht nur die Schweiz, auch Argentinien bleibt von jenen alljährlichen Tour-Albereien nicht verschont. Jetzt hält eine CD diese dauerversliwowitzte Agonie als Live-Dokument aus dem Land der Gauchos fest. Buenos Aires wie es mitsingt und jubelt. Solches aber kennt man bereits aus dem Kusturica Band-Roadmovie »Super 8 Stories«, wohl gemerkt aus dem Jahre 2000. Sogar die gleichen Stücke kommen darin vor, genauer betrachtet und mit der neuen Veröffentlichung verglichen, plus-minus ist sogar die tupfengleiche Setlist auszumachen. Die neue ist also zu schade fürs Regal, die DVD kann noch ein bisschen hinhalten oder man wartet, bis wieder ein Konzertjahr vorbei ist. Wenn Regisseur Kusturica sich die Western-Gitarre umhängt, Anklänge aus Morricone-Klassikern aufheulen lässt, begrüßt oder verabschiedet der Bosnier das Publikum auch gerne mal mit dem berühmten Casablanca-Schlusswort. Ob ihm mit krampfhaft wiederholendem Stilmischmasch und Bühnenfaxen eine dauerhafte Hörer-Freundschaft erhalten bleibt, ist fraglich und wird sich weisen. Denn auch im treusten Fan-Tross freut man sich auf die Weiterentwicklung einer an und für sich hoch musikalischen Band.