Fifty-Fifty

»Let's Count«

Klangbad

Ekkehard Rössle and Manfred Kniel did it again. Das minimalistische Spiel mit Saxophon und Schlagwerk nämlich, das bereits am Vorgänger »Fragments« stimmig und verspielt gelungen ist. Auf »Let’s Count« geben sich Rössle und Kniel noch zurückhaltender und disziplinierter, was den jazzigen Minimalismus einerseits noch griffiger und überzeugender macht. Man kippt richtig rein in den redundanten Beat der Stücke und die kleinen Themen, die sauber verziert werden. Aber da ist auch die australische Sängerin Rebecca Harris, die aus Fifty Fifty eigentlich ein Thirty Thirty Thirty macht, ein Trio nämlich. Aber so zurückgenommen wie auf »Let’s Count« hat man sicher selten noch eine Sängerin gehört (und das bei dieser großartigen Stimme). Die meiste Zeit über mehr Sprechgesang als Gesang, manchmal nichts weiter als Themenverstärkung – und an einer Stelle, im Titelstück, wird gar bis 90 gezählt. Zweifellos wird dadurch der minimalistische »Schmäh« konsequent weitergedacht, zugleich irritiert das Resultat. Ist dieser »Schmäh« Absicht? Was soll dieses »Blablabla«, das ja explizit so besungen wird. Andererseits war textliche Reduktion oft schon ein beliebtes Stilmittel, nicht zuletzt im New Wave (da fällt mir z.B. Devo ein, darüber hinaus viele Einzelbeispiele bis hin zur NDW). So gesehen haben wir es auf »Let’s Count« vielleicht mit dem missing link zwischen Jazz, Minimalismus und New Wave zu tun. Nicht nur darum definitiv hörenswert.