Lee Fields & The Expressions

»It Rains Love«

Big Crown Records

Lee Fields, Jahrgang 1951, heute eine Soul- und Funk-Legende, ist sein ganzes Erwachsenenleben im Musikbusiness. Seit Jahrzehnten ist er auf Tour und veröffentlicht Tonträger, den ersten, eine Single, im Jahr 1969, also vor nunmehr fünfzig Jahren. Seine Karriere, wie auch die einer Unzahl anderer hochbegabter Musiker*innen, kam im Lauf der Jahre immer wieder einmal ins Stocken, vor allem während der Achtziger, als der Sound der »Synths« sämtliche populären Genres bestimmte. Im Unterschied zu vielen anderen gab Fields nicht auf. Ende der Neunziger hatte er das Glück, Phillipe Lehman kennenzulernen, der damals mit Desco ein Label betrieb, das einen zeitgemäßen Old-School-Stil favorisierte. Von da ging’s zu den Labels Soul Fire (wo er mit »Problems« ein Meisterwerk rohen, funkigen Souls veröffentlichte), Truth & Soul und schließlich vor drei Jahren zu Big Crown Records – allesamt sozusagen in verwandtschaftlichem Verhältnis, was eine Kontinuität seiner Musik sicherstellte. Mit Fields kamen dann auch die kürzlich verstorbenen Soulsänger*innen Charles Bradley und Sharon Jones, die bei ihm Backing Vocals gesungen hatten, zu Daptone, einem weiteren Label in genanntem Umfeld. »It Rains Love« ist ein Album, das einen Lee Fields präsentiert, wie wir ihn kennen – und schätzen. Es ist ein extrem konsistentes, dichtes, packendes Album geworden, das sich vom einleitenden Titelsong weg ohne Schnickschnack an der puren Essenz funkigen Souls orientiert. Insofern ist es durchaus mit Lees Klassiker »Problems« auf Augenhöhe. Wie kaum ein anderer im Soul-&-Funk-Biz heute versteht es Fields, mit dem aktuellen Longplayer das Grenzgebiet zwischen Soul und Funk auszuloten. Durchwegs sind Bezüge zum Southern Soul und R&B der Stax- und Hi-Records-Jahre gegeben (»Blessed With the Best«, »God Is Real«, »Love Is the Answer«); gewaltig und doch nie plump überwältigt die Hörer*innen der Sound mit dominantem Bass, hart akzentuierten Drums und Percussions, funkigen Rockgitarren, rhythmisch aufgefettet mit perfekt platzierten, oft Latin-beeinflussten Bläsersätzen. Selbst bei einem an die späten 1960’s erinnernden Soul-Hadern wie »Will I Get Off Easy« oder beim Low Rider »You’re What’s Needed in My Life« ist so viel kantige Knackigkeit vorhanden, dass sie weit von schnulzigem Pop entfernt sind. Der beste Lee Fields seit Jahren.