Kommando Elefant

»Lass Uns Realität«

Las Vegas Records

Sollten Kommando Elefant diese Rezension auf ihrer Facebook-Seite teilen, so wird dies wohl nicht ohne einen kurzen Kommentar gehen. »War ja klar, dass die Spaßverweigerer vom skug unser Album scheiße finden …«. Und es stimmt sogar! Warum nicht einfach mal das Hirn abschalten, den ganzen diskursiven subkulturellen Sumpf links liegen lassen und sich auf eine sinnentleerte Achterbahnfahrt mit Kommando Elefant einlassen? Vielleicht kann deren neues Album »Lass Uns Realität« ja voll was, Oida. Versuchen wir’s: Die Platte haut mich vom Hocker in ihrer ulkigen Dödel-Attitude, die in der Fun-Single »Ich Find Dich Seltsam« gipfelt. Genial, wie Mediengruppe Telekommando hier alles zugrunde ironisieren; ohne Helm und ohne Gurt am Deichkindersitz. Begeisterungsstürme ruft freilich auch die andere Seite der Band hervor. Die konsumkritischen Zeilen in »Verschwende Dich« regen so voll zum Nachdenken an und auch im Balladenfach zeigen sich Kommando Elefant ganz firm. Vor allem ist die Message super: Selbst wenn alles oasch ist, dann ist doch alles letztlich ziemlich lässig. Hauptsache B72, Ottakringer und Weiba. Da lehnt man sich als Zuhörer voll zurück und nimmt diese gute Stimmung irgendwie total mit. Sogar Jan Delay können Kommando Elefant und zwar mit dem an Jan Delay erinnernden Titel »Mein Design fürs Leben«, der angenehme Erinnerungen an Jan Delay weckt. Ganz anders nimmt sich »Zwei Herzen Tief« aus, das in etwa wie eine von Kindergartenkindern übersetzte Version von Yes‘ »Hearts« klingt. Und deren Jon Anderson hat mit seinen Songs über UFOs, Einhörner und Zentauren bekanntlich bewiesen, dass er zur lyrischen Oberliga gezählt werden muss. An dieser Stelle könnte man eigentlich den Sack überm Totalverriss zubinden. Doch dann gelingt Kommando Elefant plötzlich ein kleines Kunststück: Sie beweisen echten Humor. Aus heiterem Himmel biegt da ein Song wie »Party & Blamagen« um die Ecke, den man sich ohne Fremdschämen anhören kann und der von einem tatsächlich unterhaltsamen Text geschmückt wird. Auf einmal nehmen Kommando Elefant genau jene berufsjugendlichen Indie-Electro-Popper auf die Schaufel, als die sie sich vorher 25 Minuten lang fehlerfrei geriert haben. Und als wäre das nicht genug der Verwirrung, folgt solch närrischer Ironie auch noch ein Song wie »Jukebox war gestern«, der jedem aus der Seele sprechen muss, dem als DJ schon so verbrecherische Wünsche wie die Red Hot Chili Peppers (so passiert im »Das Jetzt« am 12. September 2014, Anm. d. Autors) unterbreitet wurden. Stellen diese beiden Lieder also eine späte Ehrenrettung dar? Leider nein. Wenn zwei von elf Stücken okay sind, dann ist das ungefähr so, als würde Österreich in der 89. Minute eines verkackten Länderspiels noch einen aus Mitleid hergegebenen Elfmeter verwandeln. Zur WM kommt man so nicht.