Kuu!

»Lampedusa Lullaby«

ACT Records

Ein Blick auf die Aufstellung dieser Band lässt bereits vermuten: Bei Kuu! handelt es sich um eine der unkonventionellsten und unwahrscheinlichsten Bandkombinationen bei Act der letzten Jahre. Die beiden Gitarristen Kalle Kalima und Frank Möbus sind in sich schon ein ungleiches Paar, ergänzt durch den eigenwilligen, grandiosen Schlagzeuger Christian Lillinger scheint das Pulverfass aber endgültig voll. Die durch Sängerin/Schauspielerin Jelena Kuljic ausgelöste Explosion ist also erwartungsgemäß eines der frappantesten Hörerlebnisse des bisherigen Jahres 2018. Vom sehr direkt gewählten Albumtitel über das Ausrufezeichen im Bandnamen bis zur hochbrisanten Besetzung ist hier alles wütend, explosiv und: höchst musikalisch. Der fehlende Bass im Line-up, das verwobene, verspielte, aber stets recht harte Gitarren-Interplay von Kalima und Möbus sowie dahinter der nervöse, aufbrausende Lillinger untermauern Geschichten von Verlust, Wut, Flucht und Verantwortungslosigkeit. Jelena Kuljic erzählt nicht im laschen Gesangston, nein, die Theaterschauspielerin in ihr ermöglicht wahre Ausbrüche, Performances, die sehr deutliche Bilder malen, die betroffen machen, einen unausweichlich zum Nachdenken bringen. Gekonnt verstärkt sie das noch durch ein nicht unbeeindruckendes Setup an Stimm-Effektgeräten, die sie (zumindest live) mit beiläufiger Lässigkeit bedient. Ein eindrucksvolles Beispiel für diese Erzählkunst ist »Crossing Border in a Milktruck«, in dem es um einen Milchmann geht, der eines Tages nach seiner üblichen Runde einfach weiterfährt, immer weiter, bis er schließlich in Deutschland ankommt und dortbleibt. Laut Kuljics Anmoderation zum Auftritt von Kuu! beim Jazzfestival Saalfelden 2018 übrigens eine wahre Begebenheit! Ein weiterer Anspieltipp ist einer der bedrückendsten Tracks des Albums mit dem Titel »We Watch Them Fall«. Ganz am Schluss des Albums platziert hinterlässt einen das Stück mit einer beklemmenden Ratlosigkeit gegenüber der eigenen Passivität und das wird mit jedem Mal Hören nicht besser. Das gilt im Endeffekt für das ganze Album und das ist auch gut so. Es ist Jazz, es ist Punk und es ist enorm wichtig.