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Brandlmayr / Busmann

Kapital Band 1

MOSZ

Wien hat ein neues Label. Freundlicherweise von M.dos vertrieben, wird diese sehr stringent »zwei CD« betitelte Doppel-CD zu Mosz, dem Label, zunächst einmal als »null null eins« in Beziehung gesetzt. Wenn ich schon eingeladen werde, einem »einzigen Zug« (»un trait unaire«, wie Lacan sagt) zu folgen, dann muss ich mich den Zeichen über ihre signifikante Agitation oder Desintegration hinaus nähern. Ich nehme an, dass Nicholas Bussmann für die Wellen und die Electronics verantwortlich ist, denn ich weiß ja, dass Martin Brandlmayr vor allem Schlagzeug spielt. Den Identitätsstiftenden Wegen unserer Signifikantenlogik folgend, entdecke ich zu meiner Überraschung, dass die erste CD Musik und die zweite leer – oder ROM – ist. Track eins bis drei sind gewissermaßen gleiche Stücke, ein durchgehender Beat und Soundvariationen. Brandlmayr spielt sein Schlagzeug sehr präzise, ich wüsste nicht, wo ich ihn einordnen sollte, müsste ich das tun. Kommt er aus der Zukunft, ist er das Kommende, ist er der Beginn? Ich habe mit dieser Musik ein gewisses Problem und weiß eigentlich nicht, was ich darüber sagen soll, weil sie in vieler Hinsicht nahezu perfekt ist, und Perfektion verhindert, dass sich mir viele andere Dinge erschließen. Ich glaube, dass eine Produktion dieser Qualität und ein so exzellent gestaltetes Objekt wie dieses Doppelalbum mich vor zehn Jahren eher wachgerüttelt und fasziniert hätten. Damals, als Günter Müller und Jim O’Rourke mit ihren Duoaufnahmen begannen, als Supersilent und »Brise-Glace« auf der Bildfläche erschienen, oder etwas später, als ich das erste Mal Radian in Paris hörte. Kapital Band 1 sind einerseits zweifellos ein Erfolg, ein Ziel, ein Gesamtkunstwerk, andererseits erscheinen sie mir aber kalt und unsexy. Die Schönheit von Marmor ist noch keine Garantie dafür, dass man darauf auch sitzen kann! Auf beeindruckende Weise voll leerem Perfektionismus? Leider!

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