Jon Hopkins

»Singularity«

Domino

Ohren gespitzt! Jon Hopkins’ neues Album ist ein Juwel. Fans dürfen aufatmen, nach dem Megawurf von vor fünf Jahren kann er das Niveau halten. Im Gegensatz zum Vorgänger funktioniert dieses jedoch anders: Während das 2013 erschienene »Immunity« leicht zugänglich war und sich dadurch auszeichnete, gleichermaßen als tanzbar, zum Einschlafen und intensiv Lauschen zu gelten, hatte der britische Elektronik-Künstler mit »Singularity« offensichtlich leicht andere Ziele anvisiert. Gewohnt bauen sich die Stücke langsam auf, doch verfolgen diese nicht mehr das Ziel eines Höhepunktes, einer Implosion, sondern gehen längere, vertracktere, mit weitaus experimentelleren Aussichten verzierte Wege. Dabei ist das Düster-Opake des Vorgängeralbums, das auch nach oftmaligem Hören nicht vergehen will und die Spannung hält, einer hellen Stimmung gewichen. Diese lässt, zumindest in den minimalistischen Pianostücken, mitunter an Nils Frahm denken. Doch tritt Hopkins nicht in das Fettnäpfchen, mit ähnlichen Materialien dessen kühle, inhaltsleere Soundhüllen zu schaffen. »Singularity« klingt lebendig, lädt zum Schauen in die Ferne der Klangwelten ein. Das Cover: ein (Sternen-)Himmel (bei Nacht? im Morgengrauen?); die dunkelblaue Tiefe, in die man hier blickt, wartet mit vielen schönen Details und möglichen Konstellationen auf, sofern man sie nur sehen mag. Vielleicht ein weiteres Meisterwerk: das Rezept wurde entscheidend verändert, doch die Grundzutaten – immersive Sounds und treibende Rhythmen – sind dieselben geblieben und schließen an »Immunity« an. Neu dazu kommt jedoch ein viel durchkomponierterer, ins Ambient übergehender, zweiter Teil, der einen deutlichen Schnitt zum ersten Teil beschreibt. Nichtsdestotrotz: Jon Hopkins bleibt spannend und zuckersüß. Fazit: Echt geilico.