Ein Fenster zu Walden; Grafik © Andrea Ida

In Balden klingt es in den Walden

Schon zum fünften Mal findet am 21. Juli dieses Jahres in Kierling in der Nähe von Wien ein kleines, verstecktes Festival statt. Walden ist ein eigensinniges und merkwürdiges Event-Highlight, organisiert von und mit den üblichen Verdächtigen des Tingel Tangel Konsortiums.

Eigensinnigkeit und Merkwürdigkeit sind in unserem Kulturkreis zu eher negativ konnotierten Begriffen geworden. Zu Unrecht, beschreiben doch beide Worte durchaus lobenswerte Eigenschaften. Eigensinnigkeit, also Dame ihrer oder Herr seiner eigenen Sinne zu sein, ist eine Voraussetzung für solide Charakterbildung und wenn etwas als des Merkens würdig bezeichnet wird, ist die Bedeutung dieses Etwas dadurch zu etwas Erhabenem geworden. Natürlich sind ausgelebte Eigensinnigkeit und Merkwürdigkeit keine sonderlich guten Eigenschaften für gemeine Büroangestellte, denn schnell läuft man Gefahr, durch eventuell aus der Norm tanzende Verhaltensweisen plötzlich »nicht mehr ins Team zu passen«. Wieviel Eigensinnigkeit und Merkwürdigkeit ist unserer Zeit tatsächlich zuträglich? Wieviel »thinking outside the box« ist vom klassischen Management wirklich erwünscht? Wer kennt sich da noch aus? 

Das Walden Festival weiß dies schon seit mittlerweile fünf Jahren mit freundlichem Gesicht sowie richtig guter, eigensinniger und merkwürdiger Musik zu beantworten. Mit bislang unspektakulärem Hörensagen-Marketing unterstützt von klassischen Social-Media-Kanälen hat man sich seither zu einem vielseits respektierten Happening entwickelt. Man schafft mit dem Walden Festival einen Raum für Musik, die dem feinen Humor und der Selbstironie nicht abgeneigt ist und versucht, eventuell verloren gegangene Lebenslust zurückzuerobern. Der Titel Walden ist hierbei bewusst dem gleichnamigen US-amerikanischen Literaturklassiker von Henry David Thoreau entlehnt. Thoreau schilderte darin schon 1854 sein Bestreben, sich vom gesellschaftlichen Wahnsinn zu verabschieden und durch den Rückzug in eine einfache Blockhütte und auf spartanische Lebensweise zu lernen, dem eigentlichen, dem wirklichen Leben näher zu treten.

Tingel Tangel in den Walden
Simon Riegler, Armin Schmelz und Bernhard Tobola sind zu unterschiedlichen Anteilen die Verantwortlichen hinter dem Walden Festival, das aus dem Geiste von Tingel Tangel entwachsen ist. Dabei ist das Rezept dieser Veranstaltung recht einfach: Man bucht die feinsten Alchemisten absonderlicher Tanzmusik aus dem In- und Umland und bittet sie, in relativ naturbelassener Umgebung zu kreativer Höchstform aufzulaufen. Hierzu treffen auch heuer wieder ein paar Kapazunder, treue Walden-Seelen und Local-Heroes aufeinander, um gemeinsam mit den Geistern und Klängen der umgebenden Natur zu musizieren. Das Programm von Walden wird getragen von einer Riege talentierter heimischer DJs und Live-Acts. Als äußerst positives Moment ist in den vergangenen Jahren die familiäre Atmosphäre auf dem Festival aufgefallen. Allen Artists wird unabhängig von ihrer medialen Präsenz und Etabliertheit dieselbe Aufmerksamkeit und Wertschätzung zuteil. Als sogenannte Größen sind dieses Jahr der treue Walden-Dauerbrenner Jan Schulte aka Wolf Müller sowie Niklas Wandt mit dabei. Die beiden werden eine Live-Version ihres fulminanten Albums »Instrumentalmusik von der Mitte der World« zum Besten geben. Aber auch in anderen Konstellationen werden die Deutschen an diesem Abend ihr musikalisches Chakra gleichmäßig unter ihren Jüngern verteilen.

Unter der Leitung des Energiebündels Ali Europa wird gemeinsam mit Conny Frischauf, Lucas Croon, Joshua Gottmanns, Sam Irl, Timo Hein und Niklas Wandt eine Spezial-Live-Band zusammengeschraubt, die vor allem ihre Improvisationsstärke unter Beweis stellen wird. Man darf davon ausgehen, dass es hier schwierig werden kann, adäquates Vokabular zur passenden Beschreibung zu finden. Es empfiehlt sich daher, selbst dabei zu sein, um das Spektakel mit eigenem Sensorium zu internalisieren. Ein Geheimtipp ist der noch junge österreichische Act Taurus, der mithilfe von krachenden Synths und Drum Machines seine spitzen Hörner zeigen wird. Nicht zuletzt wird mit Hunee aus Berlin ein Spezialist der geradlinigeren und wärmeren musikalischen Gangart erwartet. Außerdem teilt Walden heuer das musikalische Angebot erstmals auf zwei Bühnen auf. Zirkusdirektor Bernhard Tobola installiert dazu alternativ das Tobozelt etwas abseits der Hauptbühne und bietet darin einen Rahmen für DJ-Klänge der etwas düstereren Gangart.

Ambiente in den Walden
Als Ambiente für Walden dient ein wahrlich idyllischer Ort, versteckt in der Nähe von Klosterneuburg im Wiener Wald. Die urige Redlingerhütte in Kierling, im Besitz der Familie Riegler, liefert inmitten lauschiger Bewaldung die nötige und passende Infrastruktur für das Festival. Neben der ausreichenden Getränkeversorgung wird auch allerlei Kulinarisches aus der eigenen Küche geboten. Die baulichen Gegebenheiten der Redlingerhütte sind für etliche Witterungsbedingungen ausgelegt und sichern daher die Möglichkeit, auch bei eventuellem Regen die Feier in Gang zu halten sowie vor Nässe und Kälte zu schützen. Ein Großteil der Veranstaltung findet zwar im Freien, jedoch unter stabiler Überdachung statt. Hauptveranstalter Simon Riegler schildert seine persönliche Verbundenheit mit der Redlingerhütte, auf der er aufgewachsen ist, und bittet alle Gäste um äußerst respektvollen und vorsichtigen Umgang mit den Baulichkeiten sowie der umgebenden Natur. Eine naheliegende Selbstverständlichkeit, deren Nachgang auch in ausgelassener Feierstimmung niemandem eine Zacke aus der Krone brechen sollte. Denn vom Umgang der Gäste mit dem Gut der Familie Riegler muss das Fortbestehen dieses Festivals abhängig gemacht werden. Details zu Adresse und Anfahrt sind hier zu finden.

Die Veranstalter suchen für das diesjährige Walden noch Volunteers, die im Austausch gegen freien Eintritt, freie Getränke sowie Verköstigung mithelfen, den ordnungsgemäßen Ablauf des Festivals zu gewährleisten. Bei ernsthaftem Interesse bitte hier rechtzeitig Kontakt aufnehmen.

In vielerlei Hinsicht kann man das Walden Festival im positivsten Sinn als eigensinniges und merkwürdiges Spektakel bezeichnen und jeder und jedem, die/den wieder einmal die Lust überkommt, so richtig aus der Norm zu tanzen und trotzdem ins Team zu passen, sei die Reise aus der Stadt zum nahen Walden Festival wärmstens empfohlen. Denn schon seit langer Zeit weiß man: »Live in each season as it passes; breathe the air, drink the drink, taste the fruit, and resign yourself to the influence of the earth.« (Henry David Thoreau, »Walden«)

(Noch etwas Merkwürdiges in eigensinniger Sache: Allen, die nach einem schönen Walden-Samstag das Wochenende noch gebührend ausklingen lassen wollen, sei empfohlen, am frühen Sonntag Abend den ebenso lauschigen Central Garden am Donaukanal zu besuchen. Im Rahmen vom Salon skug mit Ulrich Rois wird dieser höchstpersönlich sein neues Album live präsentieren.)

Link: https://www.facebook.com/events/1243296272467825/